Spitzenklöppeln

Wie die Frauen im Tauferer Ahrntal zur Ernährerrolle kamen.

Zum Klöppeln werden die Leinengarn-Fäden auf dem Klöppelkissen, dem "Pinggl", festgesteckt. An den Fadenenden hängen die Klöppel, eine Art Spulen, mit deren Hilfe durch Eindrehen das Muster entsteht.

Geschichte des Klöppelns im Ahrntal:
Nachdem das Kupferbergwerk in Prettau 1893, nach 500 Jahren Abbautätigkeit, geschlossen wurde, verloren viele Familien im Tal ihr Einkommen. In dieser Notlage kamen die Frauen auf die Idee, das Klöppeln zum Beruf zu machen. Mit Hilfe des Dorfpfarrers und der Unterstützung der adeligen Bergwerksbesitzer wurden drei begabte Klöpplerinnen nach Wien geschickt um sich dort ausbilden zu lassen. 1894 wurde in Prettau eine Klöppelschule eingerichtet, in der das Wissen an die Frauen im Tal weitergegeben wurde.Auf Ausstellungen im In- und Ausland, sowie in Modejournalen wurde das Produkt erfolgreich beworben. Die k.u.k. Aristokratie gehörte bald zur Stammkundschaft der Ahrntaler Klöpplerinnen, obwohl es zu diesem Zeitpunkt bereits maschinell gefertigte Spitze gab.Gemessen am Arbeitsaufwand war der Verdienst einer Klöpplerin nicht viel mehr als ein Taschengeld. Das Ergebnis von bis zu 17 Arbeitsstunden am Tag wurde oft direkt gegen Lebensmittel eingetauscht.

Der 1. Weltkrieg trennte Südtirol von Österreich und somit vom Rohstofflieferanten Böhmen. Erst in den 1930er Jahren wurde das Klöppeln, jetzt mit Mailänder Faden, wieder aufgenommen. 1994 wurde in Prettau ein Klöppelverein gegründet, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Wissen um diese Technik an die neuen Generationen weiterzugeben. Heute wird die Spitze für Trachtenblusen, Messkleider, Tischwäsche und Christbaumschmuck verwendet. Klöppelvorführungen und Ausstellungen gibt es im Haus Prettau, im Bergbaumuseum Kornkasten in Steinhaus und im Naturparkhaus in Kasern.