Ötzi, Räter, Römer

Der „Mann aus dem Eis“ gewährt uns heute ungeahnte Einblicke in das Leben der Kupferzeit. Aber auch die rätischen „Ureinwohner“ Südtirols und die römischen Eroberer haben ihre Spuren hinterlassen.

Nach der letzten Eiszeit (ca. 12.000 v. Chr.) ziehen einzelne Jäger durch die Alpentäler, aus denen sich die Gletscher allmählich zurückziehen. Vor etwa 7.000 Jahren dürften die ersten Menschen im Alpenraum gesiedelt haben und dort neben der Jagd zunehmend auch von Ackerbau und Viehzucht gelebt haben.

Etwa 3.200 v. Chr. stirbt ein Mann bei dem Versuch, den Gletscher im Schnalstal zu überqueren. Eine Pfeilspitze steckt in seiner Schulter, was auf einen Kampf oder ein Attentat hindeutet. Schnee und Eis bedecken den Leichnam, bis ihn 1991 der Gletscher als archäologische Sensation wieder freigibt. Als „Mann aus dem Eis“ oder „Ötzi“ wird die Eismumie weltberühmt. Seine Kleidung und Ausrüstung ist nahezu vollkommen erhalten und ist heute zusammen mit der Mumie im Südtiroler Archäologiemuseum ausgestellt.

Erste Handelstätigkeit ist in Südtirol seit der frühen Bronzezeit (1.800-1.500 v. Chr.) nachweisbar. Der einsetzende Kupferbergbau erbringt den begehrten Rohstoff zur Herstellung von Bronzegegenständen und somit ein begehrtes Handelsgut. Eine eigenständige Kultur bildet sich heraus, die nach Fundplätzen der charakteristischen Keramik „Laugen-Mellaun-Kultur“ benannt ist. Die Menschen siedeln in dieser Zeit bevorzugt auf den sonnigen Mittelgebirgsterrassen und Hügelkuppen.

Ab ca. 400 v. Chr. ist der Alpenraum wachsenden keltischen Einflüssen ausgesetzt, wodurch sich die rätische Kultur herausbildet, die auch „Fritzens-Sanzeno-Kultur“ genannt wird. Auf diese Räter treffen 15 v. Chr. die römischen Eroberer unter der Führung von Drusus und Tiberius, Stiefsöhne des Kaisers Augustus. Das Gebiet des heutigen Tirol wird auf die römischen Provinzen Raetia, Noricum und Venetia cum Histris aufgeteilt. Militärstraßen wie die Via Claudia Augusta mit ihren Wegstationen erschließen das Gebiet und fördern die Romanisierung.

Die Reste frühchristlicher Kirchen zeugen von einer Ausbreitung des Christentums bereits in der ausgehenden Römerzeit. Im 5. Jh. wird der Alpenraum von den Römern aufgegeben und von vorrückenden Barbarenstämmen heimgesucht. Ostgoten, Franken, Langobarden und Slawen dringen vor und zwingen die Menschen, sich auf befestigte Höhensiedlungen zurückzuziehen. Von Norden erfolgt eine Besiedelung durch bajuwarische Stämme, welche die Bevölkerung in den Haupttälern für die folgenden Jahrhunderte sprachlich und kulturell stark beeinflusst.

Nur in den entlegenen Seitentälern bleibt eine eigenständige Sprache erhalten, die lateinische und rätische Elemente aufweist. Dieses „Ladinisch“ wird heute noch in den Dolomitentälern gesprochen.