Bischöfe, Bauern, Landesfürsten

Kirchliche und weltliche Mächte kämpfen im Mittelalter um die Vorherrschaft in Tirol. Gegen Napoleon nehmen die Tiroler die Verteidigung selbst in die Hand.  

Die Klöster Innichen, Sonnenburg, Neustift, Marienberg und Gries werden zu geistig-kulturellen Zentren. Eine unvergleichliche Vielzahl erhaltener, romanischer Bauwerke und Fresken wie die Stiftskirche von Innichen oder der Iwein-Freskenzyklus auf Schloss Rodenegg sind Ausdruck des Wohlstands und der Stiftungsfreudigkeit von Adel und Klerus. Die Bischöfe von Brixen und Trient regieren ab dem 11. Jh. auch als weltliche Fürsten über große Gebiete. Da dies mit ihrem kirchlichen Amt nicht vereinbar ist, geben sie die weltliche Macht an Vögte ab. Als Vögte beider Bistümer beginnt im 12. Jh. der Aufstieg der Grafen von Tirol. Von ihrem Stammsitz bei Meran aus, bringen sie große Landesteile unter ihre Kontrolle. 1253 beerben sie die Grafen von Görz und können so das Stammland weiter ausdehnen.

1271 teilen sich die Brüder Meinhard und Albert das Erbe ihres Vaters auf. Meinhard II. erhält die Grafschaft Tirol. Seinem Bruder Albert wird Görz zugesprochen. Dies gilt als die Geburtstunde des eigentlichen Landes Tirol. Meinhard fördert den Handel zwischen Italien und Deutschland und baut seine Macht konsequent auf. 1363 verstirbt der letzte männliche Nachfolger der Tiroler Grafen. Gräfin Margarete „Maultasch“ überträgt daraufhin die Grafschaft dem Verwandten Rudolf IV. von Habsburg. Ab diesem Zeitpunkt bleibt Tirol unter der Herrschaft der österreichischen Habsburger. Diese teilen sich Herrschaft der österreichischen Länder untereinander auf und regieren die einzelnen Landesteile bis 1720 relativ souverän. Eine der schillerndsten, Tiroler Persönlichkeiten dieser Zeit ist der Ritter und Minnesänger Oswald von Wolkenstein. Als Abenteurer und Diplomat im Dienste des Kaisers bereist er Anfang des 15. Jh. Europa und den Vorderen Orient. Seine Lieder und Gedichte waren seiner Zeit voraus und gelten als Meilensteine des Minnegesangs.

1420 wird die Hauptstadt von Meran in das verkehrstechnisch günstiger gelegene Innsbruck verlegt. Dort tagen auch die Tiroler Landstände, Vertreter aus Adel, Klerus, Bürger- und Bauerntum, die sich seit dem 14. Jh. bedeutende Mitspracherechte erkämpft hatten. Ab 1490 regiert der spätere Kaisers Maximilian I als Landesfürst über Tirol. Er baut Innsbruck zur Residenzstadt aus und vergrößert das Gebiet beträchtlich. 1511 gewährt Maximilian den Tirolern eine eigenständige Landesverteidigung und enthebt sie der allgemeinen Kriegspflicht („Tiroler Landlibell“). Die Reformation findet in Tirol ihr Echo in den Bauernkriegen, die 1525 ausbrechen. Die Vorrechte des Adels und der Geistlichkeit sollten abgeschafft werden, was den Aufständischen auch nach zähen Kämpfen nicht gelingt.

Im 16. Jh. steigt Österreich durch die Erwerbung Ungarns und Böhmens zur Großmacht auf. Tirol wird zum Randstaat der Monarchie. 1720 verliert es den eigenen Landesherren und wird ab nun direkt von Wien aus regiert. 1805 verliert Österreich Tirol an Bayern, das als Verbündeter Napoleons in den Krieg gezogen war. Das neue Königreich Bayern will auch in Tirol Reformen im Sinne der Aufklärung durchsetzen. Der Namen Tirol wird abschafft. Als Österreich erneut gegen Napoleon in den Krieg zog, erheben sich auch die Tiroler und erringen zunächst drei bedeutende Siege am Bergisel bei Innsbruck. Eine letzte Schlacht endet fatal für die Tiroler, die Landesverteidigung bricht zusammen. Ihr Anführer Andreas Hofer, wurde gefangengenommen und hingerichtet. 1813 kommt Tirol wieder zu Österreich, wird zur Provinz degradiert und fristet ein relativ unbedeutendes Dasein.