Südtirol setzt auf Nachhaltigkeit

Südtirol engagiert sich schon seit einigen Jahren für den Ausbau erneuerbarer Energieträger. Deren Nutzung spielt für das Land eine große Rolle: Wasserkraft, Holz, Biogas und Photovoltaik, aber auch Solarthermie, Windkraft und Geothermie sind Lieferanten für Strom- und Wärmeenergie. Öffentliche Investitionen in diesem Bereich tragen maßgeblich dazu bei, die Abhängigkeit von ausländischen Energiequellen zu reduzieren, dabei effektiv Umweltschutz zu betreiben und die Gründung lokaler Unternehmen mit spezialisierten Arbeitsangeboten zu fördern. 

Ein wichtiger Bestandteil des Klimaschutzes in Südtirol ist die Energieeffizienz von Gebäuden. Ein beachtliches Ergebnis stellt die Einführung des Klimahaus-Zertifikats dar, das auf nationaler Ebene eine Vorreiterrolle einnimmt. Über 4.700 der insgesamt 5.630 Klimahäuser in Italien stehen in Südtirol. Ein KlimaHaus zeichnet sich durch energieeffizientes und ökologisches Bauen sowie lebendiges Wohnen aus. Kennzeichen eines KlimaHauses sind beispielsweise eine kompakte Bauweise, eine hohe Wärmedämmung der Gebäudehülle, Wärmeschutzfenster oder die Nutzung der Sonnenenergie.

Beste Voraussetzungen für erneuerbare Energien
In Südtirol leben rund 500.000 Menschen auf einer Fläche von 7.400 km². Die vergleichsweise hohe Lage der Siedlungen und die großen klimatischen Unterschiede von Wärme- und Kälteperioden brachten für die Bewohner des Landes schon immer die Notwendigkeit mit sich, einen effizienten Umgang mit den vorhandenen Energieressourcen zu pflegen. So ist etwa die Stadt Bozen immer wieder die kälteste, aber auch die heißeste Stadt Italiens. Das kontinentale Klima beschert der Alpenregion jährlich rund 300 Sonnentage und damit ein ausgezeichnetes Solarenergiepotential. Die Hälfte der Landesfläche Südtirols ist mit Wald bedeckt – ideal für die Holzindustrie und die Energieversorgung. Die gebirgige Landschaft eignet sich besonders gut für die Nutzung der Wasserkraft. Dabei liegt ein hohes Energiepotential in den abfließenden Wassermengen, die mittels Wasserkraftwerken schon seit langem als Energielieferant genutzt werden. Heute produzieren 960 Wasserkraftanlagen jährlich so viel Strom, dass der Strombedarf von 1.600.000 Haushalten/Jahr* gedeckt werden kann. Mit einer installierten Wasserkraftleistung von ca. 1.720 Watt pro Einwohner lag Südtirol im Jahr 2008 fünfmal so hoch wie der europäische Durchschnitt mit 365 Watt pro Einwohner.

Ausgezeichnete Gemeinden und Konzepte
In Italien versorgen sich laut italienischem Umweltbund „Legambiente“ insgesamt 35 Gemeinden zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen, 23 davon sind Südtiroler Gemeinden. Neben Bruneck, Toblach oder Sterzing zählt hierzu auch die Gemeinde Prad. Die 3.000 Einwohner starke Gemeinde am Stilfserjoch deckt ihren gesamten Strom- und Wärmebedarf vollständig mit erneuerbaren Energieträgern. Die Hälfte des in Prad produzierten Stroms fließt sogar in das nationale Verteilernetz. Prad gehört zu den ersten energieautarken Gemeinden in Italien und wurde 2010 im französischen Dunkerque von der RES Champions League – ein Wettbewerb, der auf europäischer Ebene die besten Energiekonzepte von Gemeinden prämiert – mit Gold ausgezeichnet.

Der European Energy Award ist ein internationales Programm zur Unterstützung von Gemeinden, die sich in der Energiepolitik und im Klimaschutz stark machen wollen. 2011 erhielt Bruneck als erste Südtiroler Gemeinde den „European Energy Award“, da die Stadt vor allem in den Bereichen Mobilität, Ver- und Entsorgung, Wärme und Trinkwasser sowie in der Energieeffizienz der kommunalen Gebäude Vorreiter ist. 2013 wurde auch die Südtiroler Gemeinde St. Marin in Passeier mit dem European Energy Award ausgezeichnet.

*Ein durchschnittlicher Haushalt (ca. 4 Personen) im deutschsprachigen Raum hat einen Stromverbrauch von ca. 3.500 kWh/Jahr und einen Wärmeverbrauch von 15.000 kWh/Jahr.

Im Wert sind das produzierendes Gewerbe, der Dienstleistungsbereich und die Land- und Forstwirtschaft nicht enthalten. Weitere erneuerbaren Energieträger Südtirols Nach der Wasserkraft ist Holz der bedeutendste erneuerbare Energieträger in Südtirol. In der Energiegewinnung steht Holz für Biomasse. Bis Ende 2009 sind in der Provinz insgesamt 66 biomassebetriebene Fernheizwerke errichtet worden. In 31 der 48 Südtiroler Biogasanlagen werden in erster Linie Reststoffe aus der Viehzucht und der Milchwirtschaft sowie aus der Lebensmittelindustrie zur Vergärung eingesetzt. Die Energieproduktion aus Biogas lag im Jahr 2008 mit 182 Kilowattstunden (kWh) pro Einwohner leicht über dem europäischen Durchschnitt (179 kWh/Einwohner). Im Vergleich mit dem nationalen Durchschnitt verzeichnet Südtirol bei der Photovoltaik eine bemerkenswerte Leistung: im Jahr 2009 mit rund 71 Watt pro Einwohner fünfmal so hoch wie im Rest Italiens. Das positive Ergebnis ist sowohl dem großen Engagement der Bevölkerung als auch dem Photovoltaikpotential an geographisch günstig gelegenen Standorten zuzuschreiben. Bei der Solarthermie wandeln Solarkollektoren die Energie der Sonne nicht in Strom, sondern in Wärmeenergie um. In Südtirol betrug die Kollektorfläche bereits 2008 mehr als 193.000 m², das entspricht in etwa 27 Fußballfeldern. Strom und Wärme – zwei unterschiedliche Energieträger Grundsätzlich unterscheidet man in der Energieproduktion zwischen dem Strom- und dem Wärmesektor. Im Jahr 2009 wurden in Südtirol rund 5.990 GWh elektrische Energie produziert. Der Großteil davon (99,5%) stammt aus erneuerbaren Energiequellen, insbesondere aus der Wasserkraft (97,5%). Der Energieverbrauch im Stromsektor betrug im selben Jahr 2.950 GWh. Das bedeutet, es wurde nur halb so viel an Elektrizität verbraucht wie produziert und daher der Überschuss in die Nachbarregionen exportiert. An thermischer Energie wurden 2009 rund 5.240 GWh produziert und damit knapp 1.000 GWh mehr als für die Abdeckung des Gesamtverbrauchs Südtirols nötig. Im Gegensatz zur Produktion elektrischen Stroms wird in der Wärmeproduktion noch eine beträchtliche Menge fossiler Energieträger verwendet. Deren Anteil an der Gesamtproduktion beträgt etwa 74%. Die übrigen 26% decken erneuerbare Energieträger wie die hauptsächlich aus der Holzverbrennung stammende Biomasse ab.

Nimmt man den Wärme- und den Stromsektor zusammen, ergibt sich eine Abdeckung von 56% des Endverbrauchs ausschließlich aus erneuerbaren Energien. Damit ordnet sich Südtirol im europäischen Vergleich unter die Regionen mit einem sehr hohen Einsatz von erneuerbaren Energiequellen ein. Die Ziele der nördlichsten Provinz Italiens sind in Übereinkunft mit den Europäischen Richtlinien ehrgeizig: Im Jahr 2020 sollen 75% des Strom- und Wärmeverbrauchs von erneuerbaren Energiequellen abgedeckt werden. Im Südtiroler Klimaplan wurden darüber hinaus zehn Grundsätze für die Klimastrategie Energie-Südtirol 2050 festgehalten.

Südtirols Energiesektor hautnah erleben
​Im Rahmen der Fach- und Erlebnisexkursionen „Enertour“  können die Teilnehmer die Technologien und Strategien des Energiesektors mit Spaß an der Sache kennen lernen. Die „enertouren“ führen durch ganz Südtirol und zeigen die Erfahrungen dieser Region in Sachen erneuerbare Energie auf. Ganzjährig können 150 KlimaHäuser, Energieanlagen und innovative Energiekonzepte besichtigt werden. Planer und Betreiber der Anlagen und Gebäude leiten die Führungen und geben fachkundige Auskünfte. Auch die Messe Bozen setzt sich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinander. Jährlich wird die Klimahouse Messe organisiert, eine Fachmesse für Besucher aus der Baubranche, um das innovative Konzept „KlimaHaus“ vorzustellen. Erweitert wurde das Angebot auch durch die KlimaMobility, eine professionelle Informationsplattform für Experten aus dem Sektor der Elektro-, Hybrid- und Wasserstofffahrzeuge. Vom Elektrofahrzeug bis hin zu Akkubatterien, Auflade- und Antriebsystemen, aber auch erfolgreichen Projekten klimafreundlicher Mobilität spannt sich der Bogen der ausgestellten Produkte und Dienstleistungen. Die KlimaHausAkademie organisiert zudem Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten zum KlimaHaus-Handwerker, -Experte Junior, -Berater und -Zertifizierer.