Holzschnitzerei

Von der Serienproduktion zum Einzelstück

Die Ursprünge
Seit Anfang des 17. Jahrhunderts versuchten die Bewohner des abgeschiedenen, ladinisch sprechenden Tales Gröden die langen Winter mit Schnitzen zu überbrücken und den Lebensunterhalt aufzustocken.

Von Beginn an gab es begabte Künstler, die mit ihren Heiligenfiguren Kirchen ausstatteten, und weniger Talentierte, die sich auf die Produktion von Kleinfiguren spezialisierten. Diese wurden im Winter in Serien produziert und im Sommer von Tür zu Tür verkauft. In der Zeit des Barock erhöhte die steigende Volksfrömmigkeit die Nachfrage nach Krippen. Um 1850 arbeiteten in Gröden bis zu 2.500 Menschen, also jeder zweite Talbewohner, in diesem Handwerk. Die heimische Zirbelkiefer war bedroht und das Holz musste rationiert werden. Die Krippen wurden immer opulenter. Tierfiguren wie Pferde und Elefanten kamen hinzu und wurden auch einzeln als Spielzeug verkauft. Europa und Amerika wurden mit Grödner Spielzeug überschwemmt. Berühmt war die Grödner Gliederpuppe, die wegen des holländischen Hafens, von dem aus sie nach Übersee verschifft wurde, auch „Dutch Doll“ hieß.

Als die Konkurrenz auf dem europäischen Markt auf die Preise drückte, sah man sich gezwungen die Qualität zu erhöhen. 1872 entstand die erste Schnitzschule in Gröden. Die europaweit größte Sammlung Grödner Spielzeugs befindet sich heute im Museum Gherdëina  und umfasst nahezu alle in Heimarbeit hergestellten Spielzeugartikel des 19. und frühen 20sten Jahrhunderts. Das Museum zeigt außerdem eine einzigartige Dokumentation über das künstlerische Schaffen mit Sakralkunst, profaner Kleinkunst und Malerei aus den Grödner Werkstätten und Künstlersateliers. Im Bereich Kunsthandwerk zeigt das Museum Ladin eine kleine Sammlung an Grödner Holzspielzeug.

20. Jahrhundert:
Nach dem Ersten Weltkrieg und der Weltwirtschaftskrise brach die Grödner Spielzeugindustrie zusammen. Nur wenige blieben dem Schnitzberuf treu. Bald darauf stellte sich in Gröden erstmals die Frage: Kunst oder Kunsthandwerk? Seitdem geht eine „Spaltung“ durch die Traditions-Schnitzgesellschaft. 1920 erfolgte die Gründung des ersten Ausstellungsvereins, die den Weg ebnete für das Fertigen künstlerischer Einzelstücke. Die kunsthandwerkliche Serienproduktion nach Musterbüchern gibt es parallel dazu bis heute. Seit 1994 sind viele Grödner Bildhauer, Fassmaler und Verzierungsbildhauer in der Vereinigung Unika zusammengeschlossen. Voraussetzung für die Aufnahme ist die Herstellung von Unikaten. Die Vereinigung führt in St. Ulrich einen Galerieraum, in dem ausschließlich handgefertigte Einzelstücke gezeigt werden. Jedes Jahr im September wird eine Skulpturenmesse organisiert.