Juni 2016

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Der Hotelier auf dem Surfbrett

Immer der Weinstraße entlang: Der deutsche Gourmet-Blogger Oliver Wagner entdeckt Südtirols Süden... und Klaus Maran.

In manchen Gesprächen gibt es einen Moment, der alles verändert. Die Stimmung ändert sich. Die Gesprächspartner treten in eine andere Dimension der Kommunikation ein. Es sind diesen raren und seltenen Momente, die unbedingt erzählt werden wollen. So wie unlängst das Gespräch mit Klaus Maran.

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discover Klaus Maran

Der bescheidene Restaurant- und Hotelbesitzer hat einen spannenden Lebenslauf.

#1

Weinhof erwacht zu neuem Leben

Wir hatten uns verabredet, um sein Lokal zu besuchen. Der Seehofkeller liegt inmitten von Weinhängen oberhalb der Südtiroler Weinstraße. Von der großen Terrasse öffnet sich die Landschaft und gewährt einen großzügigen Blick über den Kalterer See und die Berge auf der anderen Seite des Wassers. Der Seehofkeller ist ein ehemaliger Weinhof aus dem 16. Jahrhundert. Auch im heutigen Stand erkenne ich die alte Substanz, in der sich Stallung und Wohnbereiche mischen, hohe Decken, alte Balken, grob verputze Wände. Im Zentrum ein großer, steinerner Bereich in dem früher der Wein gelagert und gekeltert wurde. Heute dienen die großen Fässer eher dekorativen Zwecken.

Nachdem die Familie Maran das Objekt erworben hatte, wurde es zunächst als Eventlocation genutzt. Schrittweise und behutsame Umbauten und Modernisierungen machen  es zu dem, was es heute ist: ein großes traditionelles Lokal mit einem überraschend mediterranen Flair. Genau diese Philosophie findet sich auch in der Küche wider: Traditionelle Gerichte etwas zeitgemäßer interpretiert. Und natürlich eine Weinkarte, die dem Land Tribut zollt; dazu dieser Blick: Sensationell. 

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discover Der Seehofkeller

Trotz der Historie ist das Restaurant nicht rustikal, sondern auf eine ganze eigene Art leicht und modern.

#2

Von L.A. zurück an den Kalterer See

Als wir über den See und seine Geschichte sprechen, verändert sich unser Gespräch. Klaus Maran schwärmt vom Kalterer See. Er erzählt von seiner Kindheit und Jugend, die er hier verbrachte. Und vom Surfen. Er gehörte zu den ersten des Landes, vielleicht zu den ersten in Europa, die damals das Windsurfen entdeckten. Und mit einem so perfekten Trainingsgelände vor der Tür dauerte es nicht lange, bis sich Klaus Marans Karriere auf dem Wasser entwickelte. 1979, 1980 und 1982 war er Weltmeister auf dem Windglider. Als Windsurfen dann 1984 bei den Spielen in L.A. erstmals olympische Disziplin wurde, galt er als absoluter Favorit – landete aber dann doch überraschend auf dem vierten Platz. Aus diesem Jetset-Leben entlang der schönsten Küsten der Welt erreichte Klaus irgendwann der Ruf der Familie. Er wurde am Kalterer See gebraucht.

#3

Das Imperium wächst

Nach und nach übernahm Klaus Maran zunächst das Gretl am See, ein Café, Freibad, Surf- und Segelschule, anschließend den Seehofkeller und vor drei Jahren schließlich das Seehotel Ambach.

Und während er uns mehr und mehr über die unterschiedlichen Projekte erzählt, merke ich , dass er seine heutige Profession mit mindestens genauso viel Leidenschaft anpackt, wie einst seine Sportkarriere.

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discover Das Café Gretl am See und das Seehotel Ambach

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discover Das Café Gretl am See und das Seehotel Ambach

Immer wieder spricht Klaus Maran vom Bewahren, sowohl in Bezug auf die Traditionen, die Regionalität, aber auch der Architektur der Gebäude.

Das macht mich neugierig. Gemeinsam fahren wir diese Stationen ab. Es gibt eine ganz enge Verbindung zwischen dem Gretl am See und dem Seehotel Ambach. Beide Objekte wurden in den frühen siebziger Jahren von dem Architekten Othmar Barth erdacht und gebaut. Gegen den Widerstand des ganzen Ortes. Furchtbar fanden Nachbarn und Ämter die Gebäude voller Sichtbeton und markanter Linien. Aber Marans haben sich durchgesetzt und kompromisslos gebaut. Und danach haben sie etwas Wundervolles getan: nichts. Es wurden an beiden Komplexen nur die notwendigen Instandhaltungsarbeiten geleistet, aber keinerlei Veränderungen an der Substanz und dem ursprünglichen Design vorgenommen. 

#4

Stil(l)voll bewahrt

So erstrahlen beide Häuser heute noch im Glanz der 70er Jahre. Als ich die riesige, lichtdurchflutete Eingangshalle des Seehotel Ambach betrete, fühle ich mich  direkt in die Kulisse eines mondänen Films dieser Zeit versetzt. Vor dem inneren Auge laufen Szenen ab von klassischen Sportwagen, die vor der Auffahrt parken, lederne Schrankkoffer, die von flinken Händen umhergetragen werden und dazwischen immer wieder modische Paare, Frauen mit toupierten Haaren und Männer mit üppigen Schnäuzern. Ein bisschen fühle ich mich in meine Kindheit versetzt, denn viele der Lampen, Möbel und Farben schmückten damals auch genauso unser Haus.

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discover Die Innengestaltung

Das Seehotel Ambach wirkt durch die konsequente Bewahrung modern und zeitlos.

Ein perfekter Rückzugsort, der den Gast nicht nur an einen anderen, besseren Ort führt, sondern auch vollkommen aus der schnelllebigen und globalen Zeit dieser Tage entführt. Unlängst wurde das Seehotel Ambach zum Historischen Gastbetrieb des Jahres gekürt. Und als weiteres Indiz für seinen einzigartigen Charme zählt es zu den Lieblingsplätzen von Tyler Brûlé, Herausgeber von Monocle und Jetsetter par excellence.

Während wir gemeinsam einen Kaffee trinken und ich mein allererstes Kastanienherz esse, wächst in mir der Entschluss, sobald wie möglich einige Tage genau in diesem Hotel zu verbringen. Ohne Computer. Ohne Mobiltelefon. Die absolute Ruhe – an einem Ort, wo die Zeit viel langsamer geht.

Und wer weiß, vielleicht kann ich Klaus dann sogar überreden, mit mir raus auf den See zu gehen mich mit seiner Leidenschaft, dem Windsurfen, anzustecken…

Text und Fotos: Oliver Wagner

... und so geht's weiter...

Verpasse nicht, wenn Oliver Wagner auf den Sternekoch Herbert Hintner trifft und sie Roggenspaghetti mit Topfen- und Spinatcreme kochen.

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discover Oliver Wagner

Der Blogger

Der Hamburger Oliver Wagner liebt gutes Essen, gute Produkte und die Regionen, in denen all dies entsteht und zelebriert wird. Sein kulinarisches Magazin Kochfreunde.com zählt zu den am meisten gelesenen Foodblogs in Deutschland.