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August 2016

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Die Löschkanone

Sie sieht wie eine Schneekanone mit Raupen aus. Die Südtiroler Erfindung beschneit aber keine Pisten, sie löscht Brände.

Alles begann in diesem Büro in der Gewerbezone im Süden Bozens. Hier hat das Unternehmen TechnoAlpin, das mit seinen Schneekanonen weltweit bekannt wurde, die ersten Schritte gemacht. 16 Jahre sind seitdem vergangen. Mittlerweile ist die TechnoAlpin in ein neues Gebäude auf der anderen Straßenseite übersiedelt.

EmiControls, das 2011 als Teil der TechnoAlpin hervorging, hat sich nun hier niedergelassen. Und somit auch Francesco Fritz, Direktor der Verkaufsabteilung. Mit einem festen Handdruck begrüßt er mich. 
 

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Vom ersten Prototyp bis zur aktuellen Ausführung hat sich viel verändert. Eine Konstante gab es dabei immer: Francesco Fritz.

Neugierig schaue ich mich im hellen Büro um. Metallteile unterschiedlicher Formen – runde, eckige, kleine, größere – sind auf einem Tisch ausgestellt. Wofür diese gut sind, erahne ich noch nicht.

Wir verlassen das Gebäude und überqueren die Straße, denn die Maschine, wofür wir heute gekommen sind, wird bei TechnoAlpin produziert.

Die Arbeitsbereiche

EmiControls hat sich in zwei Bereichen spezialisiert – in jenem der Brandbekämpfung und der Staubbeseitigung. Die Wasserverdampfung gehört zu den kleineren Bereichen. 

#1

Sieht wie eine Schneekanone aus…

Als ich inmitten der riesigen Lagerhalle stehe, schaue ich mich staunend um. Eine Kanone reiht sich an die nächste. Die 300 Maschinen warten darauf, geliefert oder verkauft zu werden. Was nun eine Lösch- und was eine Schneekanone ist, erkenne ich nicht. Bis Francesco Fritz auf eine Reihe von Kanonen mit der ‚EmiControls‘-Aufschrift zeigt. Die Grundtechnologie ist dieselbe, alle weiteren Bedürfnisse der beiden Maschinen sind komplett unterschiedlich. Und somit auch das Konzept, die Entwicklung und die Produktion.

Trotzdem wollte man bereits bestehende Teile der TechnoAlpin, wenn möglich, verwenden. Unter anderem wurden die Formen der Turbine und des Windblattes gleich gelassen. Nur ein anderes Material musste verwendet werden. 

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Äußerlich sind kaum Unterschiede erkennbar: links die Lösch- und rechts die Schneekanone.

#2

Wenn eine gute Idee entsteht

Während im Winter 2007 auf den Pisten die Schneekanonen im Einsatz waren, rollte weiter unten im Tal die Berufsfeuerwehr Bozen hastig ihre Wasserschläuche aus. Brände waren und sind keine Seltenheit.

Die Aufgaben waren bis dahin klar verteilt. Warum aber nicht eine Löschkanone entwickeln? Mit ihrer Idee wandte sich die Feuerwehr an die TechnoAlpin. Auf Feuer war das Unternehmen nicht spezialisiert, der Vorschlag machte sie trotzdem neugierig. Ist eine Löschkanone überhaupt umsetzbar? Stück für Stück entstanden 3D-Zeichnungen im Büro – und die Löschturbine in der Produktionshalle. Egal ob Gummiraupe oder auf dem Feuerwehrauto montierbar – beides ist möglich. „Zuerst die Pläne zu zeichnen und sie dann am Ende umzusetzen, ist nicht realistisch“, erklärt mir der Experte Francesco Fritz. Ein Jahr dauerte es, bevor der fertige Prototyp in der Halle stand.

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Parallel zur Zeichnung entstand der Prototyp, denn durch kleinste Veränderungen wird das gesamte System lahmgelegt.

„Wir haben während der Entwicklungsphase Fehler gemacht. Einige davon haben uns entscheidend weitergebracht.“ Francesco Fritz, Direktor der Verkaufsabteilung

Mittlerweile werden jährlich 20 bis 30 Löschturbinen hergestellt. Aber wieso hat nicht schon viel früher jemand an deren Entwicklung gedacht? Jeder Feuerwehrmann weiß, dass Wassernebel besser als Wasser ein Feuer löscht. Nur war es bisher nie möglich, diesen gezielt und weit zu spritzen.

Francesco Fritz fährt die Maschine in die Mitte der Lagerhalle und betätigt einen kleinen Hebel. Vom starken Windstrahl überrascht, mache ich einen Schritt zur Seite. Die Löschkanone kann eine Reichweite von bis zu 70 Metern erreichen. Sie kann eben beides, weit und gezielt spritzen. 

#3

Das Wasser macht’s aus

Während Francesco Fritz von der Entstehung der Löschturbine erzählt, strahlt er. 500 Liter Wasser konnten die bisherigen Schneekanonen pro Minute herausspritzen. So viel wie ein größeres Planschbecken Wasser enthält. Heute pumpt die Löschkanone die zehnfache Menge heraus. Anfangs als physikalisch unmöglich geglaubt, merkt er bescheiden an: „Bis wir es dann doch geschafft hatten.“ Seine Augen leuchten dabei. Physik hin oder her. 

Die Vorteile des Wassernebels

Das Wasser, vor allem in Form von Wassernebel, kühlt nicht nur den Brandherd, es erstickt auch die Flammen durch Sauerstoffverdrängung. Das Konzept ist einfach: Durch die große Tröpfchenoberfläche ist eine maximale Wärmebindung möglich. Die Löschwassermenge wird somit optimal ausgenutzt.

#4

Einfach ist schwer

Als ich mir das Innere der Turbine ansehe, bin ich überrascht, wie simple es aussieht. „Die Kunst ist es, die Technik bestmöglich zu verstecken“, erklärt mit Francesco Fritz und zeigt dabei nach hinten, wo unter der Haube der größte Teil der Technik sitzt. 

„Ein kompliziertes Produkt zu bauen geht schnell. Etwas Einfaches zu bauen, das noch dazu viel kann, ist sehr schwierig.“ Francesco Fritz

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So unkompliziert wie möglich – alles muss auf dem Display oder Tablet gleich sichtbar sein.

Die Löschkanone wird in Extremsituationen verwendet. Sie muss deshalb auch einfach bedienen werden können. „Der Feuerwehrmann hat keine Zeit, sich mit einer komplizierten Fernbedienung herum zu ärgern. Bild heranzoomen und wieder wegzoomen“, erklärt mit Francesco Fritz. „Nein, das würde nicht funktionieren."

#5

Tradition und Innovation in einem

Neugierigen Blickes und vorsichtig, nichts kaputt zu machen, gehe ich einmal um die Löschturbine herum. Wie zwei Ohren stehen auf den Seiten eine Infrarot- und eine Videokamera heraus. Die Turbine kann bei Einsätzen etwa einen halben Kilometer vorausgeschickt werden – zur Sicherheit der Feuerwehrmänner. Auf dem Display wird das Bild angezeigt.

Trotz einiger Innovationen denkt Südtirol bei der Brandbekämpfung aber immer noch sehr traditionell. „Zu traditionell“, findet der Direktor der Verkaufsabteilung. EmiControls steuert einen Übergang zwischen bisheriger Technik und Weiterentwicklungen an.“ 

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Wie ein herkömmlicher Schlauch kann das Dieselgefährt Wasser spritzen, jedoch sind nach erstmaliger Benutzung des Wassernebels die Meisten davon begeistert.

Für die Zukunft wünscht sich Francesco Fritz, dass die Maschine intelligenter und selbstständiger wird: “Hürden soll sie dann selbstständig meistern.“ Erneut betätigt er den Hebel und parkt die Kanone zwischen all den anderen in die Lücke. Heute darf die Kanone noch ruhen. Der Anfang ist schon mal gemacht.

Text: Katja Schroffenegger
Fotos: Alex Filz
Video: Veronika Kaserer 

Wenn es dunkel wird...

Die Berufsfeuerwehr Bozen benutzt die Löschkanone vor allem bei Tunnelbränden. Südtirol ist eine Provinz mit einer hohen Anzahl an Tunneln. Viele davon sind bereits älter und ohne ausreichende Löschmaßnahmen ausgestattet. Somit ist die Löschkanone das ideale Einsatzgerät im Falle eines Brandes.