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August 2017

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Voltruier Kaffeekränzchen

In Südtirol blüht der Kaffee blau. Ist es etwa kein richtiger Kaffee? Tee ist es jedenfalls auch keiner… dieser Lupinenkaffee.

Ich sitze hier. Hier auf dieser Holzbank, inmitten eines Gartens. Vor dem Kürbishof. In Altrei, einem kleinen Bergdorf an der Grenze zwischen Südtirol und Trentino. Und schaue auf meine leere Tasse, die Hartmann Varesco, der Hofbesitzer, soeben füllt. Der Dampf steigt in meine Nase. Hartmann hebt seinen Blick und schaut mich gespannt an, auf meine Reaktion wartend. Aber einen Schritt zurück: Zwei Stunden vorher wusste ich noch recht wenig über die Lupine, diese Pflanze mit den blauen Blüten.

#1

Heimweh nach Altrei

Einige Meter weiter, vorbei am Kürbishof, liegt Hartmanns Lupinenfeld. Dort verbringt er die Stunden, wenn er nicht im Gasthaus arbeitet. Es scheint so, als würden sich die blauen Blüten in aller Ruhe sonnen. Und die Bohnen, die wahrlichen Protagonisten des Altreier Kaffees. Fünf Anbauer sorgen dafür, dass es Nachschub der Bohnen gibt. Allesamt haben sie ihre Lupinenfelder in dem Bergdorf Altrei, das die Bewohner „Voltrui“ nennen. Kein Zufall. Der besonderen Bodenbeschaffenheit aus saurem und sandigem Boden ist es zu verdanken, dass dort die Lupine so gut gedeiht.

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discover Der Kaffee-Ersatz

„Man müsste dem Altreier Kaffee eigentlich einen anderen Namen gaben,“ findet Hartmann, da es sich dabei nicht um wirkliche Kaffeebohnen handelt, sondern um eine Lupinenart, deren Samen als Kaffee-Ersatz dienen.

Rita Amort, die ebenfalls Lupinen anpflanzt, spaziert gutgelaunt daher. „Die Pflanzen sind eben hier daheim. Sie haben Heimweh“, fügt sie hinzu, „jeder Versuch, die Pflanzen an einem anderen Ort anzubauen, scheiterte. Sie wuchsen zwar, welkten dann aber bald.“ Seit 150 Jahre gibt es Lupinen in Altrei. Lediglich die Biografie des Bischofs Zwerger aus dem Jahr 1897 beweist das, denn dort stand, dass bereits damals die ärmsten der Armen einen Verdienst gemacht haben mit dem bitteren Kaffee.‘ Der zu langen Röstung war der bittere Geschmack geschuldet. Deshalb wurde der Kaffee-Ersatz mit Gerste (zu 20%) gemischt getrunken.

Die behaarte Lupine

Als Basis für den Altreier Kaffee, der sowohl heiß als auch kalt getrunken werden kann, dient die behaarte Lupine. Die einjährige Pflanze wird bis zu 120 Zentimeter hoch, ihre Blätter bestehen aus mehreren haarigen Blättchen. Das Wesentliche für den Kaffee sind jedoch die großen, flachen, braungefleckten Samen, die in weichen Hülsen stecken. Von den 300 Lupinen-Arten, die teilweise farbenfrohe Blüten haben und auch wild wachsen, können nur Süß- und die Altreier Lupinen gegessen werden.

#2

„Diese Voltruier mit ihren Kernen“

Das waren Ritas Gedanken, als sie anfangs an die Altreier Dorfbewohner dachte. Sie, eine Dazugezogene, ließ sich bei einem Präsentationsabend über Lupinen anstecken. Und beschloss kurzerhand, auch welche anzubauen.

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discover Schritt für Schritt zum Lupinenkaffee

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discover Schritt für Schritt zum Lupinenkaffee

Die Lupinensaat wird im Frühling eingepflanzt. Nach der Blüte findet im August und September die Ernte statt – alle paar Tage und per Hand.
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discover Schritt für Schritt zum Lupinenkaffee

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discover Schritt für Schritt zum Lupinenkaffee

Die Samen werden anschließend in Gitterkästen getrocknet, geröstet, gemahlen und gebraut. Die größten Bohnen werden aufbewahrt und als Saatgut verwendet.

Hartmann wohnt immer schon in Altrei. Wie die Lupine. „Bereits meine Großmutter machte daraus Hauskaffee“, erklärt er mir, „welcher ein günstiger und leicht selbst anzubauender Ersatz für den täglichen Frühstücks- und Nachmittagstrunk war.“ Mittlerweile verbindet Rita und Hartmann weit mehr als die Nachbarschaft. Beide sind Mitglieder des Fördervereins zur Erhaltung des Altreier Kaffees. 2005 begann alles, als jedes Mitglied 18 Samen von der Altreierin Theresa Werth bekam, die das Überleben der Lupinen quasi in ihrem Garten sicherte.

„Die Lupinen bereiten uns viel Freude. Und wir machen es für unser Dorf.“ Hartmann Varesco

Die Strategie, dadurch Altrei bekannter zu machen, hat funktioniert. Trotzdem ist Hartmann nachdenklich: „Es bräuchte mehr junge Bauern.“ Dennoch blickt er stolz auf das bereits Erreichte zurück: „Beim Gedanken daran bekomme ich Gänsehaut.“ Ich schaue auf seine Arme. Es stimmt. 

Bitterlupinen, zu denen auch die Altreier Lupinen gehören…

- sind gesund, denn wir nehmen heutzutage zu viele Süßstoffe auf
- sind eiweißreichhaltig und kohlenhydratarm
- sind glutenfrei
- auch Menschen mit Soja-Intoleranz vertragen sie
- gelten als besonders magenfreundlich, da sie keine Säure enthalten

#3

Interessant. Sehr speziell.

300 Kilosäcke stehen am Ende des Jahres im Lager. Klingt nach viel. Ist es aber nicht, denn Hartmann und weitere Produkteure beließen es nicht nur beim Kaffee. Mittlerweile gibt es auch Bier, Schnaps, Käse, ein Gewürz, sowie Schokolade. 

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discover Kostbare Produkte

„Die Lupinenprodukte kann man nicht einfach ins Regal stellen und meinen, sie verkaufen sich dann von alleine“, warnt Rita. Für dies sind sie zu teuer. Man muss schon die Geschichte dazu wissen. Diese erzählt sie gerne bei ihren Führungen. Jedem - egal ob zehn Personen kommen oder nur eine.
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discover Kaffeekränzchen

Entgegen unsere Vorstellung handelt es sich beim Lupinenkaffee um ein helles Getränk, das wie Tee zubereitet wird. Das Lupinen-Dessert, das sich aus einem Törtchen, einer Praline, dem Halbgefrorenem und Crème brûlée zusammensetzt, hat sich ebenso wie der Altreier Kaffee am Kürbishof längst etabliert.

Nun sitze ich im Garten vor dem Kürbishof. In netter Gesellschaft - mit Rita und Hartmann. Die Sonne scheint auf meinen Teller und bringt das Halbgefrorene zum Schmelzen. Ich trinke einen Schluck des Heißgetränkes und mein Mund füllt sich mit einem schwer zuordenbaren Geschmack. Vielleicht Nuss. Schokolade. Aber auf jeden Fall nicht süß. Es hat eine leicht zimtige Note. Und einen langen gleichbleibenden Nachgeschmack. Ich bin unentschlossen. Nun weiß ich aber, wie Voltruier Kaffee schmeckt: Interessant – und sehr speziell. Und Rita, die spürbar gerne erzählt, merkt an: „Wenn ich früher erwähnte, dass ich in Altrei wohne, wusste kaum einer, wo das liegt. Heute ist das anders und die Leute antworten: Ah, das ist dort, wo der Kaffee herkommt.“

Text: Katja Schroffenegger
Fotos: Alberto Masera
Video: Elisa Nicoli

Hier sind die Lupinen-Produkte erhältlich: 

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Hier sind die Lupinen-Produkte erhältlich: 

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