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April 2018

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Ein Holz, das lebt

Sie duftet aromatisch, überzeugt durch warme Farbtöne, entspannt und verwandelt sich in Dosen und Äpfel. Die Zirbe ist ein Alleskönner.

Wenige Minuten dauert die Fahrt von Bozen bis ins Sarntal. Ein schmaler Weg führt von der Hauptstraße mitten in den Wald hinein. Kaum sichtbar zwischen den Bäumen liegt die Drechslerei Fritz.

Nach mehrmaligem Klopfen betrete ich die Drechslerei. Unzählige Holzbretter, Stämme, Deko-Objekte und Holzreste stehen im Raum, der von einem harzigen Duft erfüllt ist. Ein lautes Rattern ist hörbar, Holzspäne wirbeln durch die Luft. Drechsler Fritz Unterkalmsteiner arbeitet gerade an der Drechselbank. Als er mich sieht, schaltet er die Maschine aus. Er klopft auf das Objekt, das gerade in der Drechselbank entsteht. „Das ist Zirbenholz“, sagt er.

#1

Die Zirbendose

Als Fritz zwölf Jahre alt war, hatte er zum ersten Mal eine Zirbendose in der Hand. Er war fasziniert davon und entschied, eine Ausbildung beim einzigen Drechsler des Tales zu machen. Da die Drechselbank meist vom Lehrmeister oder einem älteren Lehrling besetzt war, bastelte er sich eine eigene. Seine Augen funkeln, als er davon erzählt. Mit 22 eröffnete er seine eigene Werkstatt.

Seit einiger Zeit bin ich nun in der Werkstatt, gewöhnt an den intensiven Holzgeruch habe ich mich noch nicht. „Das Zirbenholz duftet über Jahrzehnte intensiv“, erklärt er. Grund dafür ist der hohe Gehalt an Inhaltsstoffen, die eine toxische Wirkung gegenüber schädlichen Pilzen und Bakterien haben.

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discover Intensiver Geruch

Auch bei einer länger gelagerten Zirbe ist der Geruch gleich intensiv. Es wirkt so, als sei das Holz des immergrünen Hochgebirgsbaums gerade frisch gefällt.

#2

Die Königin der Alpen

Die Zirbe ist im Sarntal weit verbreitet. Sie wächst zwischen 1.500 und 1.800 Metern Meereshöhe, direkt an der Baumgrenze. Wie kein anderer Baum trotzt sie dem rauen Klima des Hochgebirges und hält Fröste unter minus 40°C aus. Sie lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und wird auch deshalb die „Königin der Alpen“ genannt. „Nach etwa 300 Jahre werden diese Bäume gefällt und in der Drechslerei verarbeitet“, erklärt Fritz, „sie können aber auch bis zu 1.000 Jahre alt werden.“

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discover Zirben in Südtirol

In Südtirol gibt es 372.000 Hektar Wald, 22.000 Hektar davon bestehen aus Zirben.

#3

Ein Baum voller Leben

Die Holzstämme, die ordentlich vor der Werkstatt stehen, sehen in meinen Augen alle gleich aus. „Dieser hier ist bereits getrocknet, die weiter hinten noch nicht“, erklärt Fritz und zeigt auf den Baumstamm vor uns, „einen Zentimeter links, einen rechts trocknet der Stamm pro Jahr. Ein zehn Zentimeter dicker Stamm benötigt deshalb fünf Jahre, um zu Trocknen.“ Wenn er zu früh bearbeitet wird, entstehen Risse und er verzieht sich. Geschlagen wird das Holz bei abnehmenden Mond im Winter, dann hat es keinen Drehwuchs, das heißt keine innere Verdrehung des Stammes.

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discover Rund oder oval?

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discover Rund oder oval?

„Holz fällen kann ich jeden Tag. Ich muss nur wissen, was ich danach damit machen will“, erklärt Fritz.

#4

Der Holzapfel

Fritz geht nach draußen, sucht einen Baumstamm aus und schneidet ein Stück davon ab. In wenigen Minuten wird er daraus einen Holzapfel machen. Ich beobachte ihn beim Drechseln. Seine Handgriffe sind gezielt, er ist konzentriert. Erneut wirbeln Holzspäne durch die Luft.

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discover Vom Holzstück zum Apfel

Immer wieder setzt Fritz die Drechselröhre routiniert am weichen Holz an. Millimeter für Millimeter entsteht eine neue Form.

#5

Was die Großeltern bereits wussten…

„…hatte unsere Generation zwischenzeitlich wieder vergessen: Die Zirbe hat wohltuende Effekte“, erklärt Fritz. Bewiesen wurde dies durch eine Studie der Universität Graz, die von 2005 bis 2007 durchgeführt wurde. Seit einigen Jahren steigt erneut das Interesse nach Zirben-Produkten. Ich nehme ein Stück in die Hand, streiche über die Rinde, rieche daran. „Im Holz, Harz und in den Nadeln finden sich wertvolle Aromen, die zum allgemeinen Wohlbefinden beitragen. Sie verhelfen zu einem erholsamen Schlaf, verlangsamen den Herzschlag und regulieren den Kreislauf“, erklärt Fritz, „zudem werden die Atemwege gereinigt. Die beruhigende Eigenschaft des Holzes kann auch bei starken Kopfschmerzen helfen.“ Er öffnet eine mit Zirbenspänen gefüllte Dose und lädt mich ein, daran zu riechen. Es ist eine Schlaf-Gut-Dose.

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discover Ein Apfel aus Zirbenholz

Ein letztes Mal pustet Fritz den Staub und die Holzspäne vom Apfel. Fertig ist er!

Holzäpfel wird Fritz dieses Jahr noch einige machen, diesen darf ich jedoch mitnehmen. Herzlich verabschiedet er sich von mir. Ich fühle mich gut und entspannt. Zu Hause angekommen werde ich den Apfel auf den Nachttisch stellen und hoffentlich gut schlafen.

Text: Katja Schroffenegger
Fotos: Ivo Corrà und Harald Wisthaler
Video: Ebner Film

Die Wirkungen der Zirbe im Haushalt

- Bakterien und Keime sterben auf einem Küchenbrett aus Zirbe schneller ab
- Das Brot schimmelt in einer Schale aus Zirbenholz langsamer
- Obst bleibt in einer Schale aus Zirbenholz länger frisch
- Zirbenholz hält Mücken von der Wohnung und Motten vom Schrank fern