Ein Laden zum Träumen

Sie mag Bilder, malt aber nicht. Um sich doch durch die Kunst zu verwirklichen, ging Martina Baumgartner einen anderen Weg.

  • Mai 2017

  • Lesedauer: 4'

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Ein Laden zum Träumen

Sie mag Bilder, malt aber nicht. Um sich doch durch die Kunst zu verwirklichen, ging Martina Baumgartner einen anderen Weg.

Träumen Sie manchmal? Wie wäre es mit jetzt? Schließen Sie die Augen und sehen Sie sich selbst bei dem, wofür Sie brennen. Das, was Sie jeden Tag gerne machen möchten, ohne an Zeit und Geld denken zu müssen.  

Auch die junge Kunsthistorikerin Martina Baumgartner hatte einen Traum, einen ziemlich Großen. Sie wollte mit ihrer Passion – der Kunst – ihr Geld verdienen. Doch weder als Angestellte im Museum noch als Lehrerin. Und ohne einen Pinsel anzurühren. Wie sollte das bloß gehen? Die Angst, finanziell nicht über die Runden zu kommen, ließ ihren Traum fast erlöschen, aber eben nur fast. 

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Laut geträumt

Als ich mitten in der Altstadt von Bruneck, einer Kleinstadt im Pustertal, stehe, erblicke ich das Schild mit dem Schriftzug „Variatio“. Ein langer schmaler Tunnel führt zum Eingang des Ladens. Es ist ein unscheinbarer Ort, doch genau hier hat sie ihren Traum verwirklicht.

Lange Zeit träumte die Dreißigjährige von einem eigenen Kunstraum: „Die ursprüngliche Idee einer Galerie war dann doch nicht realistisch“, erklärt sie. Trotzdem kam die Alternative, zunächst einen anderen Job anzunehmen und es später zu versuchen, für sie nicht in Frage. Auch Birgit Hofer, die Martina aus der Schule und der gemeinsamen Studienzeit in Salzburg, Wien und Innsbruck kannte, spielte mit dem Gedanken, einen Kunstraum zu eröffnen. Anfang 2016 hatten sie dann dieses Gefühl: entweder jetzt oder nie. Gemeinsam wagten sie den Schritt und eröffneten ihren eigenen Laden. 

Design trifft auf Kunst

In einer Kleinstadt wie Bruneck mit Kunst erfolgreich zu sein, ist eine Herausforderung. Als Martina jedoch den Laden in der Altstadt sah, siegte ihr Bauchgefühl. Trotz der versteckten Lage findet sie ihn perfekt. Nach wenigen Monaten entstand ein Concept Store, in dem sie Kunst und Design vereint.

Abwechslung erfreut

Der lateinische Spruch „Variatio delectat“, „Abwechslung erfreut“, war namengebend für den Laden. Der Name ist Programm: Das Lateinische steht für die Beständigkeit, das Überdauernde, Variatio (= Abwechslung) für Veränderung und Bewegung. Dieser Philosophie wollen Martina und Birgit treu bleiben. Nicht alle Besucher verstehen gleich, wo sie sind, wenn sie den Store das erste Mal betreten. „Das muss in den Köpfen erst ankommen“, erzählt Martina.

Wenn ich an einen Concept Store denke, fallen mir große Städte wie Berlin oder New York ein – nicht aber die kleine Stadt am Fuße des Skibergs Kronplatz. Dort habe ich eher das Schloss mit dem Messner Mountain Museum vor Augen oder das nahegelegene Stadtmuseum für Kunstliebhaber. Jedoch ist Bruneck weit mehr: Extravagantes Flair trifft auf das urtypische Südtirol, in Form von Architektur, Kultur- und Freizeitangeboten. Nicht umsonst wurde Bruneck 2009 und 2014 zur lebenswertesten Kleinstadt Italiens gekürt. Sie ist eben so vielseitig wie seine Besucher. Und genau das schätzt Martina.

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Der Raum ist groß und zahlreiche Objekt erwecken meine Neugier. Zwei grüne Bilder aus Moos hängen an der Wand. Wohnaccessoires stehen neben Kunstbüchern. Schmuck ist auf Kleinmobiliar ausgestellt, das ebenfalls erworben werden kann. In der hinteren Ecke des Raumes erblicke ich eine Sitzecke. „Variatio soll auch ein Treffpunkt für Kreative und Interessierte in Bruneck sein“, sagt mir Martina. 

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Lässig setzt sich Martina einen Hut des Designers Reinhard Plank auf und schaut in den Spiegel: „Man muss ein bisschen der Typ dazu sein, um solche Dinge zu tragen.“ Ihr Look wirkt frisch, ihr Nasenpiercing frech. Bei Kleidung fährt Martina gerne eine Extraschiene: „Wir wollen ja nicht Klamotten anbieten, die in anderen Läden auch zu finden sind.“

Raum3000

Mein Blick wandert erneut zu den Moosbildern. „Wir wollen Kunst und Design strikt trennen“, erklärt Martina, „deshalb hängen im vorderen Bereich keine Bilder. Den Künstlern war es auch ein Anliegen, nicht in einem Concept Store auszustellen.“ Hinter der Sitzecke liegt, ein wenig versteckt, der Raum3000. Hell beleuchtet und minimalistisch.

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Durch den Raum3000 soll ein Dialog zwischen renommierten und noch unbekannten Künstlern entstehen. Jedem seinen Raum zu geben, ist ihr Anspruch. Mittlerweile melden sich Künstler bei Martina, weil sie im Variatio ausstellen möchten. 

Wenn Martina auf das erste Jahr zurückblickt, erinnert sie sich an viele positive Momente. Ihre Risikobereitschaft und ihr Mut haben sich gelohnt. Es kann so weitergehen. Begeistert von der Energie, mit der sie den Laden führt, verabschiede ich mich. Sie hat es geschafft, sich ihren Traum zu erfüllen. 

Text: Katja Schroffenegger
Fotos: Alex Filz

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