Turnhalle Natur

Trainieren ohne Gewichte und Hanteln? Fitness-Coach Kristian Palmieri zeigt uns die grüne Turnhalle.

  • September 2016

  • Lesedauer: 4'

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Turnhalle Natur

Trainieren ohne Gewichte und Hanteln? Fitness-Coach Kristian Palmieri zeigt uns die grüne Turnhalle.

Es ist vier Uhr dreißig, als Fitness-Trainer Kristian Palmieri gemeinsam mit Bauer Sepp Pircher vom Alberhof die Mistgabel im Stall schwingt. Die Kühe sind bereits wach. Es geht ja schließlich um sie. Möge der Tag in der etwas anderen Turnhalle beginnen.  

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Eine Woche ist seit Kristians Besuch auf dem Bauernhof in Wangen, einer 200 Seelen-Fraktion der Gemeinde Ritten, vergangen. Heute treffen wir Kristian in Altenburg, wenige Kilometer von Kaltern entfernt. Als ich aus dem Auto aussteige, fällt mein Blick sofort auf das, wonach ich suche: ein Schild mit der Aufschrift ‚Hier beginnt der Fitness-Parcour‘. Es ist ein warmer Spätsommertag. Die Sonnenstrahlen fallen durch die Baumkronen und mustern den Waldweg, der vor mir beginnt. Ich atme tief ein. Die Luft ist rein. Hier, in der ‚Natur-Turnhalle‘ ticken die Uhren noch anders. Langsamer. Ruhiger. Entspannter.

Von der Ruhe des Waldes angetan, bemerke ich fast nicht, wie Kristian Palmieri hinter mir auftaucht. Der Fitness-Trainer wird mich heute durch den Trimm-Dich-Pfad führen. Er fühlt sich wohl hier, das merke ich sofort. „Ich mache gerne draußen in der Natur Sport. Da kann ich abschalten, meiner Seele freien Lauf lassen und die Landschaft genießen.“

Kristians Ratschläge

Wenn du mehrere Stunden am Tag im Sitzen verbringst:

#1 Fahre doch mit dem Rad zur Arbeit oder gehe zu Fuß dahin.
#2 Probiere es mit leichter und gesunder Ernährung und bevorzuge frische regionale Produkte.
#3 Genieße die Zeit nach der Arbeit. Wie wäre es mit Sport in der Natur?

Bei körperlicher Arbeit:

#1 Esse gesund und regelmäßig und erinnere dich daran, viel zu trinken.
#2 Achte auf deinen Rücken – besonders, wenn du schwere Dinge hochhebst.
#3 Höre auf deinen Körper und mach Pausen, wenn du sie benötigst.

Im Land der vielen Möglichkeiten

Für Kristian ist diese Umgebung nichts Neues. Er ist oft in der Natur, erklimmt Berge und fährt gerne Fahrrad. Er kann einfach nicht stillhalten. Und er weiß zu schätzen, welch tolle Möglichkeiten das Land Südtirol bietet. Wege in seiner Heimatstadt Bozen legt er seit Jahren mit dem Fahrrad zurück. Wenn er sich mehr anstrengen möchte, reichen wenige Minuten und es geht den nächste Berg hinauf.

Kristian schaut in den Wald hinein. „Auch hier kannst du intensiv trainieren oder eben einfach nur spazieren gehen.“ Er muss es wissen. Er ist der Experte. 

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Der Wald als Trainingspartner

Es müssen keine Stunden im Fitnessraum sein, um einen trainierten Körper zu haben. Aber keine Angst: Man muss nicht unbedingt auf einem Bauernhof leben. Im Gegenteil. Bei einem Spaziergang durch den Trimm-Dich-Pfad in Kaltern erklärt Kristian, wie das geht.

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Bauer für einen Tag

Für Kristian Palmieri war das Training am Hof in Wangen eines der anderen Art. Für Sepp hingegen war es der Alltag. Als es frühmorgens im Stall losging, wirkte Kristian noch verschlafen. Dagegen waren Bauer Sepp und seiner Frau Veronika bereits hellwach. Sie waren es gewohnt.

„Ich bin ein Stadtmensch. Kühe melken und Gras mähen waren für mich bis jetzt Fremdwörter“, schaut Kristian auf den Tag zurück. „Ich konnte mir in etwa vorstellen, was am Bauernhof zu tun ist. Dass der Tag eines Bauern aber so anstrengend ist, hätte ich mir nicht gedacht. Es war ein interessantes Erlebnis.“ Kristian wollte die Unterschiede zwischen gezieltem Training und alltäglichen körperlichen Arbeiten herausfinden. Wie das aussieht, könnt ihr im Video sehen. Vorneweg schon mal: Sepp war von Kristian sehr angetan und hat ihn am Ende des Tages um seine Telefonnummer gefragt. Wenn wieder mal viel Arbeit am Hof ansteht, wird er ihn anrufen. Dann ist nur noch zu schauen, ob Kristian dafür genug durchtrainiert ist.

Ein besonderes Training

Den Stall ausmisten, die Kühe melken, die steile Wiese mähen, das Gras durchkämmen, das Heu im sogenannten Stadel, dem Heuboden, unterbringen, die Hufen der Kühe putzen – das alles sind alltägliche Arbeiten für Bauer Sepp. Und ungewohnte Arbeiten für Kristian. „Der Tag war für mich ein gutes Training. Hut ab vor Sepps körperlichen Leistung“, erklärt mir der Trainer eines Fitnessraumes in Bozen. „Die Arbeiten waren neu für mich, nicht aber die Bewegungsabläufe. Ich habe dieselben Muskeln trainiert, wie auch im Fitnessraum.“ Nur halt anders. Die Bauernhof-Gymnastik ist sehr rumpfstärkend. Bauch- und Rückenmuskeln werden viel beansprucht. Dazu auch Arme und Schultern – und ein bisschen die Beine. 

„Am Ende des Tages war ich müde. Zwei Stunden ohne Pause Heuarbeiten ist anstrengender als dachte. Zum Glück bin ich durchtrainiert.“ Kristian Palmieri

Ich verabschiede mich von Kristian. Mit einem festen Händedruck endet hier unser gemeinsamer Fitness-Spaziergang. Dieser kurze Ausflug hat meinem Kopf und der Seele gutgetan. Ich fühle mich frei. Auch Kristian hat heute Abend frei. Bauer Sepp melkt die Kühe nun wieder ohne seine Hilfe.  

Text: Katja Schroffenegger
Fotos: Ivo Corrà
Video: Veronika Kaserer