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Dezember 2017

Meister des Unsichtbaren

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Meister des Unsichtbaren

Er mag Tiere und die Natur, malt gerne und spielt Geige. Lange Zeit wusste Johannes Stötter nicht, wie er seine Talente und Leidenschaften vereinen soll. Geht es Ihnen auch so?

Neugierig – so würde ich mich beschreiben, als ich mir das erste Mal ein Video von Bodypainter Johannes Stötter ansehe. Doch bald schon staune ich. Egal, welches seiner Videos ich mir ansehe, das mit dem Chamäleon, Wolf oder Fisch, die anfangs reglosen Bilder lösen sich nach wenigen Sekunden auf – in unterschiedlich viele Menschenkörper, alle bunt bemalt. Es handelt sich doch um keine Tierfotos. Wie schafft es Johannes bloß, dass der Übergang seiner Werke schier perfekt wirkt?

„Du musst ganz genau hinsehen, dann siehst du die Besonderheit meiner Kunstwerke“, erzählt mir Johannes einen Tag später, als wir uns aufmachen, hoch hinauf ins Ridnauntal, seiner Heimat, wo er eine neue Idee umsetzten möchte.

Anfangs war die Musik

Johannes' einstige Leidenschaft bestand aus Noten und Tönen. Die Musik würde ich heute als ein Puzzleteil seines Lebens beschreiben. Was er damit machen wollte, wusste er lange Zeit nicht. Er wuchs in einer Musikerfamilie mit drei Brüdern und einer Schwester auf und spielte während seiner Studienzeit Geige in einer Band. Das Studium schloss er ab, werden wollte er aber Musiker. Oder ein erfolgreicher Künstler. „Ich möchte nicht, dass die Leute meine Werke ansehen, nicken und anschließend nie wieder daran denken“, erzählt er. Doch mit seiner Kunst bekannt zu werden war ein schwieriger Plan, bis er über die Musik eine neue Art von Kunst für sich entdeckte. Es war Liebe auf den ersten Pinselstrich.

Nackte Leinwand

Ein CD-Cover veränderte Johannes' Kunst entscheidend. Und gleichzeitig sein Leben. Für eine befreundete Band setzte der damals 22-Jährige eine Idee um, die er vor einigen Jahren hatte. Er malte das CD-Cover für ihr Album. Farben hatte er, Pinsel auch – nur eines änderte er erstmals: Er tauschte die übliche Leinwand gegen nackte Körper aus. Und zwar jene der Bandmitglieder. Er begann sie zu bemalen, bis sie eins wurden mit dem Hintergrund. Mit dem Ergebnis war er zufrieden. Es war ein weiteres Puzzleteil seines Lebens.

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discover Startschuss

Nach seinem ersten Werk reifte in Johannes der Gedanke, eine ganze Serie der Bodypainting-Arbeiten zu machen und auszustellen, um als Künstler bekannter zu werden. Dass die Arbeiten anschließend so gut ankamen, überrascht ihn heute selbst. So blieb er beim Bodypainting.

Natur spielt die Hauptrolle

„Früher kam mir häufig vor, als würden Körper in der Umgebung teilweise verschwinden. Ich wollte sie dann ganz verschwinden lassen“, erklärt er mir seinen Drang, das Camouflage-Bodypainting selbst ausprobieren. Nun sitze ich mitten im Gras vor einem Bergsee, in einigen Metern Abstand zu Johannes, beobachte ihn und indirekt auch das nackte Model. Zitternd steht es vor ihm. Es herrschen widrige Umstände. Auf der anderen Seite des Sees liegt Schnee. Der Wind bläst durch meinen Pullover und durch Johannes' Haar, das trotz eines weißen Bandes zerzaust ist. Neben ihm liegen seine Farben. Die Pinsel hat er geordnet ins Gras gesteckt, das Bemalen muss schließlich schnell gehen. Er bewegt sich zum Model hin, zieht einige Striche über ihre Brust, macht anschließend wieder einige Schritte zurück. Strich für Strich gleicht er das Model der Natur an.

Ja, die Natur – das ist eine weitere seiner Leidenschaften, wie er mir erzählt. Sollen wir alle wie Johannes vermehrt auf unser Bauchgefühl hören und alles auf uns zukommen lassen? So wie es eben kommt?

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discover Die Landschafts-Camouflage

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discover Die Landschafts-Camouflage

Bei der Landschafts-Camouflage kommt es sehr auf die äußerlichen Bedingungen an: Wie spiegelt sich das Wasser? Ziehen die Wolken und die Sonne weiter? Wie fällt der Schatten? Dass dabei ein Model einige Stunden nackt im Schnee oder in der Hitze steht, ist keine Seltenheit.
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discover Schnappschuss

Während des Malens fotografiert Johannes immer wieder sein Motiv und kontrolliert auf dem Kameradisplay die Farben.

Der Entstehungsprozess

Pfoten, Besonderheiten des Felles, Muskelstränge – bereits als Kind kannte Johannes sämtliche Merkmale von Tieren. Nur so. Tiere gefielen ihm immer schon. Dass es ein weiteres Puzzleteil seines Lebens – und seiner Arbeit – sein würde, wusste er damals noch nicht. Heute kommt ihm diese Kenntnis beim Bodypainting zu Gute: „Man muss wissen, wie ein Tier anatomisch aussieht, um es anschließend malen zu können.“ Vom Wissen bis zum fertigen Bodypaint ist es ein langer Weg; ein Prozess, so wie Johannes' Leben es auch ist.

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discover Die Entstehung des Motives

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discover Die Entstehung des Motives

Nachdem Johannes mit Bleistift kleine Skizzen gezeichnet hat, wie hier beim berühmten Frosch-Motiv, versucht er herauszufinden, wie viele Models er benötigt und wie er deren Körperteile bestmöglich in Szene setzen kann.
making of the frog 20

discover Die Entstehung des Frosches

Johannes verschiebt die Models bei der Probe so lange, bis die Zusammensetzung stimmt, fertigt anschließend eine große farbige Skizze an und überlegte sich einen passenden Hintergrund dazu.
the frog

discover Der Frosch

Das Frosch-Motiv ist nur in einer Konstellation der fünf Models symmetrisch.

World Bodypainting Festival

Jährlich wird in Klagenfurt am Wörthersee der Bodypainting-Weltmeister gekürt. Johannes nahm erstmals 2009 teil und konnte auf Anhieb überzeugen. „Wenn ich Fünfter werden kann, dann kann ich auch gewinnen“, lautete damals sein Fazit. Drei Jahre später, mit 34, krönte er sich zum Weltmeister. Mittlerweile ist er zum zweiten Mal als Jurymitglied dabei.

Das Gesamtwerk

Reglos steht das Model da, immer noch leicht zitternd. Mit farbverschmierten Händen greift Johannes zur Kamera. Es muss rasch gehen. Bis die nächste Wolke aufzieht und sich die Reflexion des Wassers ändert, sind es nur wenige Minuten. Und dann höre ich ein leises „klick“.

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discover Verschwunden

Vollkommen überrascht stehe ich hinter Johannes. Aus diesem Winkel erscheint das Model unsichtbar.

Das Model ist eins geworden mit dem atemberaubenden Panorama. Johannes hatte wohl Recht: Um das Besondere zu sehen, muss man genau hinschauen. „Mein aktueller Beruf vereint alles, was ich mir vom Leben vorgestellt habe“, bestätigt er mir und wirkt dabei zufrieden. Er, der anfangs nicht wusste, was mit seinen Leidenschaften und Talenten anzufangen, merkt nun, dass sich sein Leben Stück für Stück zu einem großen Gesamtwerk zusammensetzt. Es ist wie ein buntes Puzzle, das vielleicht eines Tages so perfekt wie seine Kunst zusammenzupasst – bei der man nicht mehr sieht, wo der Mensch aufhört und die Natur beginnt.

Text: Katja Schroffenegger
Fotos: Manuel Kottersteger und Johannes Stötter/ WB Production
Video: Miramonte Film – Andreas Pichler