Die Schneeprinzessin

Unzählige Männer kümmern sich täglich auf ihren Pistenraupen um die Präparierung der Skipisten in Südtirol. Und seit Kurzem auch eine Frau…

  • November 2017

  • Lesedauer: 3'

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Die Schneeprinzessin

Unzählige Männer kümmern sich täglich auf ihren Pistenraupen um die Präparierung der Skipisten in Südtirol. Und seit Kurzem auch eine Frau…

1.500 Kilometer. Es ist, als fahre man von Bozen nach Sizilien. Mit Skiern an den Füßen? Eher nicht. Südtirols Skipisten führen nicht auf die Insel, wohl aber den Berg hinunter. Und das 1.500 Kilometer. Es bedarf Geduld und Geschick, um die Pisten jeden Abend bestens zu präparieren. Zwei Eigenschaften, die viele Pistenpräparierer besitzen und auch Martina Blaas. Wenn es dämmert und die Sessellifte im Skigebiet Carezza Ski die letzte Runde gedreht haben, beginnt die Arbeit der 25-Jährigen. Die nächsten Stunden gehören ihr und ihrer Schneeraupe. Stille erfüllt die Skipisten, bis sie den Motor anwirft und wir uns auf den Weg machen.

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Pinke Prinzessin

Zwischen den Sextner Dolomiten im Osten und dem Ortlergebiet im Westen liegen 54 Skigebiete. Sobald es dort dämmert, rücken die Männer auf ihren Pistenfahrzeugen aus, um die Oberfläche der Skipisten zu glätten. Viele Männer und eine Frau. „Ich fühle mich manchmal wie eine Prinzessin“, erklärt Martina wohlwissend, einen reinen Männerberuf auszuüben, „wenn ich um Hilfe frage, sind meine Kollegen sofort zur Stelle.“ 

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Es war kein Zufall, dass Martina im vergangenen Winter erstmals alleine die Schneeraupe aus der Garage fuhr. Fünf Jahre lang fuhr sie bei einem Freund mit, dieses Jahr wurde ihr Wunsch wahr: Sie erhielt ein Jobangebot im Skigebiet Carezza Ski. Seitdem präpariert sie täglich die Pisten. Führerschein braucht es dafür keinen, wohl aber Mut, die steilen Hänge hinaufzufahren. Und jede Menge Praxis. Es gefiel ihr von Anfang an. Und sie fiel mit ihrer Pistenraupe schnell auf.  

Üben, üben, üben

Zum ersten Mal sitze ich in einer Pistenraupe und schaue mich um. Zahlreiche Knöpfe rechts, Tasten und Hebel links. Das Fahren damit will geübt sein: den Schild manövrieren, das Lenkrad und die Fräse steuern und gleichzeitig entscheiden, wie viel Schnee pro Minute hindurchgeschleudert werden soll. Startschwierigkeiten sind vorprogrammiert. „Anfangs hat es gehakt“, erklärt Martina schmunzelnd.

Auf dem Armaturenbrett erblicke ich einen weiteren Knopf. „Damit werden Loipen gespurt“, erklärt sie mir, „denn Südtirol hat nicht nur jede Menge Pistenkilometer fürs Skifahren.“ 1.800 sind es fürs Langlaufen, samt Höhenloipen mit Aussicht auf die Berge und Flutlichtstrecken. Dabei ist der Dolomiti Nordicski, zu dem sieben Regionen vom Antholzertal bis zur Seiser Alm gehören, Europas größtes Langlaufkarussell. 

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Starke Hilfe

Während wir in der Dunkelheit dahinfahren, erblicke ich eine weitere Pistenraupe. Ein Seil verbindet sie mit der Bergbahn. „Es unterstützt beim Verschieben der Schneemassen und gibt Halt“, erklärt Martina. Ihre Miene verfinstert sich und sie zeigt in Richtung der Schneeraupe: „Gestern waren dort Skitourengeher, obwohl die Piste geschlossen war. Wenn sie bloß wüssten, in welch Gefahr sie sich begeben haben…“ In der Dunkelheit ist das Stahlseil kaum sichtbar. Die Skitourengeher können durch das Stahlseil bei der Abfahrt stürzen und sich schwer verletzt. 

infografik skiresorts de

Zweigeteilter Alltag

In einigen Jahren möchte Martina nur mehr auf den Pisten unterwegs sein, wenn möglich mit einer größeren Schneeraupe. Inzwischen arbeitet sie vormittags in Welschnofen, mal in einer Bäckerei oder an der Kasse im Skigebiet Carezza Ski. 

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Die pinken Spiegel sind in der Dunkelheit kaum mehr erkennbar, als Martina zufrieden den Motor ausstellt und die Rillen der soeben präparierten Piste hochsieht. Genug getan für heute. Morgen ist ein neuer Tag. 

Text: Katja Schroffenegger
Fotos: Alex Filz
Video: Miramonte Film – Andreas Pichler