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November 2017

Die Schneeprinzessin

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Die Schneeprinzessin

Unzählige Männer kümmern sich täglich auf ihren Pistenraupen um die Präparierung der Skipisten. Und seit Kurzem auch eine Frau…

1.500 Kilometer in Südtirol. Es ist, als fahre man von Bozen nach Sizilien. Mit Skiern an den Füßen? Eher nicht. Südtirols Skipisten führen nicht auf die Insel, wohl aber den Berg hinunter. Und das 1.500 Kilometer. Es bedarf Geduld und Geschick, um die Pisten jeden Abend bestens zu präparieren. Zwei Eigenschaften, die viele Pistenpräparierer besitzen und auch Martina Blaas. Wenn es dämmert und die Sessellifte im Skigebiet Karerpass die letzte Runde gedreht haben, beginnt die Arbeit der 25-Jährigen. Die nächsten Stunden gehören ihr. Und ihrer Schneeraupe. Stille erfüllt die Skipisten, bis sie den Motor anwirft und wir uns auf den Weg machen.

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discover Wunschberuf gefunden

Sobald Martina mit der Pistenraupe losfährt, ist sie in ihrem Element – so wie es auch zahlreiche Schneeraupenfahrer in Südtirol sind. Mission haben sie alle dieselbe: Sie möchten die Pisten bestens präparieren. Zur Freude der Skifahrer.

#1

Pinke Prinzessin

Zwischen den Sextner Dolomiten im Osten und dem Ortlergebiet im Westen liegen 54 Skigebiete in Südtirol. Sobald es dort zu dämmern beginnt, rücken die Männer auf ihren Pistenfahrzeugen aus, um die Oberfläche der Skipisten möglichst glatt und griffig zu machen. Die Männer. Und eine Frau. Martina. „Ich fühle mich manchmal wie eine Prinzessin“, erklärt sie mir grinsend - wohlwissend, dass sie einen reinen Männerberuf ausübt. Ich blicke in ihr dezent geschminktes Gesicht, das sie charmant einzusetzen weiß: „Wenn ich um Hilfe frage, sind meine Kollegen sofort zur Stelle.“ 

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discover Die etwas andere Schneeraupe

An einem ihrer ersten Arbeitstage hatte Martina pink lackierte Fingernägel, weshalb ihre Kollegen sie „Pink Panther“ nannten. Es dauerte wenige Tages, bis sie ihre Pistenraupe mit pinken Spiegeln vorfand.

Es war kein Zufall, als Martina im vergangenen Winter erstmals alleine die Schneeraupe aus der Garage fuhr. Fünf Jahren lang fuhr sie bei einem Freund mit, dieses Jahr wurde ihr Wunsch wahr: Sie erhielt ein Jobangebot im Skigebiet Karerpass. Seitdem präpariert sie täglich die Pisten. Führerschein braucht es dafür keinen, wohl aber Mut, die steilen Hänge hinaufzufahren. Und jede Menge Praxis. Es gefiel ihr von Anfang an. Und sie fiel mit ihrer Pistenraupe schnell auf.  

#2

Üben, üben, üben

Zum ersten Mal sitze ich in einer Pistenraupe und schaue mich neugierig um. Zahlreiche Knöpfe rechts, Tasten und Hebel links. Das Fahren damit will geübt sein: den Schild manövrieren, das Lenkrad und die Fräse steuern und gleichzeitig entscheiden, wie viel Schnee pro Minute hindurchgeschleudert werden soll. Startschwierigkeiten sind vorprogrammiert. „Anfangs hat es gehakt“, erklärt Martina schmunzelnd.

Auf dem Armaturenbrett erblicke ich einen weiteren Knopf. „Der ist für die Loipenspuren, den Spuren fürs Langlaufen“, erklärt sie mir, „denn Südtirol hat nicht nur jede Menge Pistenkilometer fürs Skifahren.“ 1.800 sind es fürs Langlaufen, samt Höhenloipen mit Aussicht auf die Berge und Flutlichtstrecken. Dabei ist der Dolomiti Nordicski, zu dem sieben Regionen vom Antholzertal bis zur Seiser Alm gehören, Europas größtes Langlaufkarussell. 

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discover Kleines Modell

Martina präpariert die Pisten bei den Schleppliften. Ihre schmale Schneekatze eignet sich dafür bestens. Oftmals bleiben die Bügel an der Schneeraupe hängen. Dann klettert sie beim Dachfenster hinaus und löst diese.

#3

Starke Hilfe

Während wir in der Dämmerung dahinfahren, erblicke ich auf Augenhöhe mit den weiß getünchten Zacken der Berge eine weitere Pistenraupe. Ein Seil verbindet sie mit der Bergbahn. „Es unterstützt beim Verschieben der Schneemassen und gibt Halt“, erklärt mir Martina.

Plötzlich verfinstert sich ihre Miene und sie zeigt in Richtung der Schneeraupe: „Gestern waren dort oben Skitourengeher, obwohl die Piste geschlossen war.“ Diese Sportart ist mit der nötigen Vorsicht zu genießen, denn wenn das Seil der Raupe ohne Spannung auf dem Schnee liegt, ist es schwer erkennbar. „Wenn die Tourengeher bloß wüssten, in welch Todesgefahr sie sich dann begeben…“, merkt Martina an. Gerät das Seil plötzlich in Zug und ein Tourengeher befindet sich in der Nähe, kann das tödlich enden. 

infografik skiresorts de

discover Südtirol in Zahlen

Südtirols Wintersport kann eine lange Geschichte vorweisen. Die Zahlen der modernen Beschneiungsanlagen, Skischulen, Skigebiete und Pisten-Lehrer sprechen dafür (Stand 2016/2017).

#4

Zweigeteilter Alltag

In einigen Jahren möchte Martina nur mehr auf den Pisten unterwegs sein – wenn möglich mit einem größeren Gefährt. Inzwischen arbeitet sie vormittags noch in Welschnofen. Wer weiß, ob ich sie nicht eines Tages an der Kasse im Skiegebiet Karerpass antreffe, wo sie Tageskarten verkauft.

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discover Kontaktfreudig

Martina mag es, unter Menschen zu sein – ebenso wie sie die ruhige Zeit auf der Piste genießt.

Die pinken Spiegel sind in der Dunkelheit kaum mehr erkennbar, als Martina zufrieden den Motor ausstellt und mit strahlenden Augen die Rillen der soeben präparierten Piste hochsieht. Genug getan für heute. Morgen beginnt der Tag wieder von vorne.

Text: Katja Schroffenegger
Fotos: Alex Filz
Video: Miramonte Film – Andreas Pichler