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November 2015

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Der Schäfer von Trafoi

Was macht ein Schafhirte die ganze Zeit, fragte sich der Blogger Johannes Klaus. Roland Thöni ist darüber ganz redselig geworden.

Roland Thöni hütet im Sommer 260 Schafe am Stilfser Joch im Vinschgau, hoch über dem Tal, von wo eine ausgesetzte Serpentinenstraße in die Höhe führt und wo es still ist und keiner ihm dreinreden kann. Denn schweigsam ist der Schäfer von Trafoi nicht. Er hat einiges zu erzählen. Übers Leben und die Menschen.

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discover Ein gutes Klima

Tagsüber ist es am Hang oft wärmer als im Tal – dafür sorgt die Thermik.

„Wir nehmen sie auch gegen Fieber.“ Roland Thöni zeigt auf die roten Preiselbeeren, die neben dem Pfad wachsen. „Früher hatten wir wenig Medizin, die kleinen Ortschaften am Berg haben vieles selbst gemacht. Sie haben viel Kräuter gesammelt, man hat die eigene Weinmutter gehabt, die sehr gut gegen Entzündungen hilft oder mit Umschlägen gegen Fieber. Das kennen heute viele gar nicht mehr, auch hier in den Bergen.“

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discover Der die Herde zusammenhält

Wenn man eine Schafherde hütet, ist der Hund ein äusserst wichtiger Helfer des Schäfers: Er hält die Herde zusammen.

Roland Thöni kennt die Berge. Der ehemalige Skirennfahrer, der bei Olympia Medaillen gewann, ist seit fünf Jahren der Schäfer von Trafoi, seinem Heimattal. Nach dem Ende seiner Skiprofikarriere gründete er ein Skiausrüstungsgeschäft im Nachbarort Sulden. Dieses führt nun seine Familie weiter, während er sich von Mai bis Oktober um etwa 260 Schafe kümmert.

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discover Das Jägerbrot

Viele Pflanzen wurden früher in den Bergen als Heil- und Nahrungsmittel genutzt. Die Wurzel der Silberdistel hilft gegen Grippe, und die Korbböden wurden ähnlich wie Artischocken gegessen. Almhirten nannten sie deshalb auch „Jägerbrot“.

„Dort drüber am Hang sind etwa 20 meiner Schafe.“ Er zeigt Richtung Stilfer Joch – doch ich sehe nichts. Sind es etwa diese hellen Flecken dort? Nein, das sind Felsen. „Ich hab die Landschaft hier abgespeichert, wie ein Foto im Kopf“, erklärt Roland Thöni. „Wenn dann etwas anders ist, etwa weil dort Schafe sind, merke ich das sofort.“

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discover König Ortler

Das Gebiet um den Ortler, den mit gut 3.900 Meter Höhe höchsten Berg Südtirols, ist unter Alpinisten ein bedeutendes Ziel in den Ostalpen.

Er liebt die Berge, die Natur, die Stille. Doch einsam wird er hier nicht. „Ich treffe einige Touristen, Wanderer, und sehe auch schon von weitem, wenn jemand Schwierigkeiten hat, veraltete Karten und jetzt mit den Handys, wo die Wege nicht mehr stimmen. Oder Höhenangst! Dann gehe ich auch mal hin, und erkläre, wo es vielleicht einen schöneren Weg gibt.“ Er lacht. „Ich sage nicht, dass es hier schwierig ist, dann streiten sie sich noch mehr – es geht da durchaus laut zu, manchmal!“  

Text und Fotos: Johannes Klaus

Das ist Johannes Klaus

Blogger, Grafiker, Reisender. Sein Blog Reisedepesche wurde 2011 mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Seit 2013 ist Johannes Klaus Herausgeber von Reisedepeschen, seit 2015 von The Travel Episodes. Er mag Apfelschorle in 0,5 Liter-Flaschen und lebt in Berlin.