Mrz 2018

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Wettstreit um die bunten Eier

Ostern ist die Zeit der gefärbten Eier, des Versteckspiels des Osterhasen, der leuchtenden Kinderaugen und zahlreichen Traditionen in Südtirol.

Aufgeregt warten Elias und Patrick vor der Tür. Sie können es kaum erwarten, mir zusammen mit ihrer Mutter Sigrid zu zeigen, wie sie sich auf Ostern vorbereiten. Sie sind vier und sieben Jahre alt, wissen jedoch besser als ich, dass ein farbenfroher Nachmittag voller Spiel und Spaß bevorsteht. Wie in der Weihnachtszeit hat auch zu Ostern jedes Land seine Bräuche – in der Kirche und auch zu Hause, wo man wieder ein Stück weit zum Kind wird, sich die Hände schmutzig macht und das Osternest sucht. Und wäre da nicht auch das Goggele pecken

#1

Der Osterstrauß

Sigrid erwartet mich in Karneid, einem kleinen Dorf, das auf den Felsen oberhalb des Eggentales liegt und von wo aus man den Bozner Talkessel und das Eisacktal sieht. Anders als in den Städten sind in den Dörfern die Südtiroler Oster-Traditionen noch weit verbreitet. Auch am Hinterölgartnerhof, wo mich Sigrid herzlich empfängt. Das Wohnzimmer ist farbenfroh dekoriert, wobei mir sofort der Osterstrauß auf dem Tisch auffällt. Er ist mit Bändern, bunten selbstgemachten Eiern und Weidenkätzchen, den sogenannten Palmkätzchen, geschmückt. Wie ein flauschiger Katzenschwanz sehen die Palmkätzchen aus und vielleicht ist genau das der Grund, wieso ich nicht wiederstehen kann, mit den Fingern über die Triebe zu streichen.

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discover Der Osterstrauß

Egal ob mit Tulpen, Narzissen oder anderen Blumen verziert, ein buntdekorierter Osterstrauß bringt den Frühling ins Haus.

#2

Der Palmesel

Die Ostertraditionen beginnen eine Woche vor dem Ostersonntag, am Palmsonntag: Der Letzte, der in der Familie aufsteht, ist der Palmesel und muss sich im Laufe des Tages den ein oder anderen Spaß anhören. Ebenfalls werden an dem Sonntag die Palmbesen, ein Gebinde aus Palmkätzchen, Olivenzweigen und denen des immergrünen Buchsbaumes, verziert mit bunten Schleifen, in die Kirche gebracht. Nach der Weihe zu Hause aufgestellt, gelten sie als gutes Omen und werden beim ersten Gewitter im Ofen verbrannt, um Schlimmes abzuwenden.

#3

Das Färben der Ostereier

Patrick nimmt mich an der Hand und führt mich in die Küche, wo Sigrid mitten in der Oster-Vorbereitung steckt: Auf dem Herd dampft es aus den Töpfen, daneben stehen Papiersäcke gefüllt mit getrockneten Früchten und Blüten. Mitten auf dem Tisch liegen die Hauptdarsteller des Tages: weiße Eier. Hastig setzen sich die Kinder herum und zeigen mir stolz die Kräuter und Gräser, die sie am Vormittag gepflückt haben. Sie sind bereit, aus den Eiern kleine Meisterwerke zu schaffen.

Eier natürlich färben

1) Die rohen Eier mit einem in Essigwasser getränktem Tuch abwischen (zur besseren Aufnahme der Farbe)
2) Kräuter und Gräser an der Eierschale anbringen
3) Einen Strumpf um das Ei wickeln
4) Zehn Minuten in Wasser zum Kochen bringen und natürliche Zutaten zum Färben dazugeben: Zwiebelschalen, getrocknete Holunderfrüchte oder Ringelblumen, Kurkuma, Blaukraut oder bereits verwendetes Kaffeepulver
5) Abkühlen und vier Stunden ruhen lassen
6) Die Eier aus den Strümpfen auspacken und trocknen lassen
7) Mit Öl sanft einreiben, somit erhalten sie mehr Glanz

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discover Vom weißen Ei zum Meisterwerk

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discover Vom weißen Ei zum Meisterwerk

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#4

Das Goggele pecken

Die Eier sind bereit. Sie glänzen in Naturfarben, jedes ein bisschen anders. Und die Kinder können es kaum erwarten. „Spitze oder Hintern?“, fragt Elias, während er sich ein Ei schnappt. Patrick greift ebenfalls zu und als ich ein Knacken der Schale höre, beginnen die beiden laut zu lachen. Das Goggele pecken wird am Ostersonntag gespielt, wobei die Spitzen und Hintern der Eier aneinander gepeckt werden. Abwechselnd wird begonnen. Und weil Elias Ei ganz geblieben ist, muss Patrick ihm nun seines schenken.

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discover Spitze und Hintern

Ist die Spitze kaputt, wird mit dem Hintern gepeckt. Der Blick der Brüder verrät, dass das nicht die letzte Runde für heute war.

#5

Das Osterbrot

Sigrid verliert keine Zeit, es ist noch viel vorzubereiten. Wir machen uns auf zur Backstube, einem kleinen Zubau vor dem Stall. Auf der Holzunterlage liegt der Teig für das Osterbrot bereit, der genug geruht hat und nun in den Ofen geschoben werden kann. Sigrid reicht mir ein Stück des Osterbrotes, das sie am Vormittag gebacken hat. Es duftet herrlich nach Anis und ich bekomme Lust, mehr davon zu essen. Traditionell gibt es zu Ostern auch die süße Variante des Osterbrotes, das Fochaz, das meist ein Geschenk der Paten an ihre Patenkinder ist – in Form einer Henne für die Mädchen, eines Hasen für die Buben.

#6

Der geweihte Osterkorb

Alle Zutaten für den Osterkorb, der auch Geweihtes genannt wird, stehen bereit: Der Osterschinken, das Fochaz, die gefärbten Eier, der Meerrettich, die Gurken und eine Flasche Wein werden am Ostersonntag in der Kirche geweiht. Zu Hause wird dann alles kleingeschnitten und als Vorspeise gegessen, gefolgt von traditionellen Gerichten wie Spargeln mit Bozner Soße oder dem Lammfleisch des Villnösser Brillenschafes.
 

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discover Der Osterkorb

Am Gründonnerstag werden die bunten Eier gefärbt und anschließend der Osterkorb vorbereitet.

Patrick und Elias hatten bei der Vorbereitung der Ostertraditionen ihren Spaß. Nun sind sie ins Freie gelaufen, denn dort wartet am Ostersonntag der schönste Teil auf sie. Heute schauen sie schon mal, wo der Osterhase das Osternest verstecken könnte.

Text: Katja Schroffenegger 
Fotos: Ivo Corrà