Mai 2015

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Montagsblau

Wie der Südtiroler Bauernschurz im Land plötzlich einen neuen Farbton anschlug.

Es ist der Fürtig oder Hongar oder Schurz, auch wenn er immer das gleich bezeichnet. Der Schurz ist in Südtirol ein Bekleidungsstück. Ein Mann sei ohne nur halb angezogen, hieß es früher. Kein Wunder, dass der Schurz königsblau sein muss.

Aus heiterem Himmel kommt es nicht, das Blau der bäuerlichen Schürze in Südtirol. Eigentlich: Der Schurz. Ein reiner Männerschurz, ursprünglich. Am ersten Schultag haben die Buben früher ihren Schurz bekommen. Ein Mann sei ohne Schurz nur halb angezogen, hieß es. Wohl deshalb behielten die Bauern lange Zeit selbst beim Kirchgang am Sonntag ihren Schurz an, ließen ihn unter dem groben Jackett hervorblitzen. „Das Königsblau“, wie der Südtiroler Maler Manfred Alois Mayr die Schurzfarbe nennt.

„Ein Mann ohne Schurz ist nur halb angezogen.“ Südtiroler Sprichwort

Vermutlich hatten die Bauern es satt, werktags immer nur graue, braune, weiße Schafwolle, Loden und Leder zu tragen, während Adel und Geistlichkeit sich in Indigoblau und Purpurrot ergingen. Schon immer waren sie selbstbewusst, „jetzt leisten wir uns auch einmal eine Farb‘“, das wäre ein Satz, der zu den Bauern passt, meint Manfred A. Mayr. Er beschäftigt sich seit langem mit der Kulturgeschichte des Schurzblau.

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Der Bauer als König

Die Bauern mussten warten, bis eine starke Werktagsfarbe für sie erschwinglich wurde. Als ein leuchtendes Blau synthetisch günstig und einfach hergestellt werden konnte, war der Moment gekommen. Seitdem leuchtet der Schurz der Südtiroler Bauern königsblau.

Lange Zeit war Blau – ein mattes Dunkelblau – aus heimischem Färberwaid gewonnen worden. In einem Bottich wurde mit den gelbbraunen Blüten eine farbneutrale Lauge angerührt, „dazu kamen Pottasche und Urin für die Stärke und die Säure“, sagt Manfred A. Mayr. Durch die Oxidation im Freien färbte sich das Tuch beim Trocknen blau.
In der Blaufärberzunft wurde die Küpe immer am Samstag angesetzt. „Die Färber mussten dann viel trinken, um viel Urin zu produzieren, vielleicht haben sie mit Bier nachgeholfen…“, sagt Manfred A. Mayr. Über das Wochenende wurde der Stoff in der Küpe getränkt, am Montag zum Trocknen aufgehängt. Mayr: „Danach hatten die Färber frei.“ Sie warteten auf das Blau und machten „Blauer Montag“, nicht nur in Südtirol.

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Nach getaner Arbeit wird der Schurz an einem Zipfel aufgerollt.

„Seit Jahren hat es sich stark eingebürgert, dass man am Brüstl oder einem unteren Ende des Schurzes etwas Buntes eingestickt hat, so zum Beispiel ein Wappen, einen Spruch oder Blumen.“ Hans Fink, Südtiroler Volkskundler

Noch heute tragen die Bauern einen Fürtig, ein Vortuch, wie der Schurz auch genannt wird. Und die Frauen haben sich dazugesellt. Der Schurz ist nun mit Anilinfarbe gefärbt. Nach getaner Arbeit wird er an einem Zipfel ein wenig aufgerollt, oft und gerne ist über der Brust ein flotter Spruch eingestickt, und in Kaltern erscheint er als Nadelstreif. Die Erste+Neue Kellerei „wickelt“ darin sogar ihre Weine ein: Die Kartone mit dem Streifenmuster des Kalterer Schurz‘ hat Manfred A. Mayr gestaltet. Natürlich.

Gabriele Crepaz