November 2015

% extra alt % % extra alt % % extra alt %

Teile diese Geschichte

Artikel Artikel Galerien Galerien Audio Audio Fakten Fakten
Artikel Artikel Galerien Galerien Audio Audio Fakten Fakten

Eine ist immer die Liebste

Bauern halten Kühe nur, weil sie mit Milch und Fleisch Geld verdienen? Falsch. Wir haben vier Bäuerinnen und Bauern gefragt.

Sie fressen am liebsten Heu, wiegen zwischen 500 und 700 Kilo, geben je nach Rasse zwischen 5.000 und 9.000 Liter Milch im Jahr, und wenn es einmal etwas „Süßes“ sein soll, mögen sie es salzig: Können Sie sich Südtirol ohne Kühe vorstellen? Wir nicht. 132.000 Kühe und 500.000 Menschen leben in Südtirol. Manchmal nahe beieinander. Wie das ist? Wir haben vier Bauern und Bäuerinnen gefragt. Haben sie eine Lieblingskuh? Ja! Warum?

Ich mag Kühe, aber sie sind so groß. Am liebsten mag ich sie, wenn sie friedlich auf der Wiese stehen und neugierig zu mir herüberschauen. Dann ringe ich mit mir, ob ich hingehen und sie streicheln soll. Meistens tue ich es nicht.

Am besten gefallen mir die Grauen. Ihre dicke Schnauze rührt mich. Daran denken die Südtiroler Bauern natürlich nicht, wenn sie entscheiden, welche Rasse sie im Stall haben wollen. Einige züchten reine Milchmaschinen, andere mögen Tiere, die für Milch und Fleisch geeignet sind, dann gibt es die, die darauf achten, dass die Kuh für die Bergböden in Südtirol geeignet ist. Immer weniger Bauern leben vom Ertrag, den die Kühe im Stall erwirtschaften, viele erarbeiten sich ein Zubrot mit einem Buschenschank, in dem sie hofeigene Produkte servieren, oder mit Urlaub auf dem Bauernhof, und wenige behandeln ihre Kühe sogar wie die eigenen Kinder. Im Schnitt haben Bauern in Südtirol 15 Kühe im Stall. Und immer gibt es eine Lieblingskuh. Das wundert Sie? „Ich melke meine Kühe jeden Tag zwei Mal, manche elf Jahre lang, wir kennen uns sehr gut“, sagt Bauer Albert Mittermair.

In vier Folgen stellen wir Ihnen vier Bäuerinnen und Bauern vor, mit denen wir über ihr Verhältnis zu ihren Kühen - und natürlich über ihre Lieblingskuh - gesprochen haben: am Wieserhof in Deutschnofen, am Lärchhof am Ritten, am Fronthof in Völser Aicha und am Tantscherhof in Lajen.

Für diese Geschichte nehme ich mir vor, jede Lieblingskuh zu streicheln. Ob ich mich traue?

#1

Johanna & Flamme

Flamme. Darauf war ich nicht vorbereitet. Die Kuh hat mir ihren Kopf zugewandt. Ich streichle sie an der Schnauze. Und meine Hand wird ganz nass. Ich versuche, zu lächeln und die Hand unauffällig am Kuhfell zu trocknen. Johanna lacht. „Wahrscheinlich hat die ,Weide‘ sie abgeschleckt. Die verstehen sich ganz gut“, sagt sie und bürstet die Flanke ihrer Lieblingskuh. Flamme ist eindeutig die Sauberste im Stall. In einigen Tagen erwartet sie ihr erstes Kalb. Lange hat es bei ihr nicht geklappt. Mit vier Jahren ist sie eine Spätgebärende. Noch nie in ihrem Leben ist sie gemolken worden.

Mir scheint, die Kühe haben es gut beim Wieserhof in Deutschnofen. Der Laufstall ist weit und hell und gut gelüftet. Im Mittelgang bauscht sich das Heu. Die Kühe zupfen daran. 30 sind es, und noch einmal 15 Jungtiere. Nur ab und zu hört man leises Schnauben oder ein Platschen oder das Bewegen der schweren Körper. Wie soll man es erklären. Die Türen sind offen, trotzdem ist es wohlig, eine Wärme, die satt und voll als Geruch in Kleider und Haare kriecht. Das ist es wohl, was man Stallwärme nennt. Johanna Mittermair ist nicht immer hier. Sie studiert Religionspädagogik an der Uni in Brixen. Ihr Vater und ihr Bruder arbeiten im Stall, melken, füttern, misten aus. Um 5.50 Uhr fängt der Tag an. Wenn der Milchwagen kommt, pünktlich um Viertel nach acht, muss im Stall alles erledigt sein. Die Kühe wissen das und warten schon. „Mein Vater hat zwei Kühe, die er besonders mag“, sagt Johanna. „Mausi und Elli. Die packt er bei den Ohren und er hält ihnen die Augen zu.“

suedtirol altoadige mucca kuh johanna 14

discover

Der Stall, in dem Flamme lebt, ist hell und gut gelüftet. Jeden Vormittag fressen sich die Kühe durch wahre Berge von Heu.

Bauer Albert Mittermair ist auch jetzt im Stall. Ganz geheuer ist ihm die Geschichte mit der Lieblingskuh nicht. Aber sie amüsiert ihn. Das sieht man ihm an.

Johanna lässt sich nicht beirren. „Flamme ist meine Lieblingskuh“, sagt sie. „Sie ist zutraulich, sehr freundlich und gutmütig.“ Ihr fühlt sie sich näher als den anderen: „Ich war bei ihrer Geburt dabei. Meine Eltern waren damals beide nicht zu Hause. Ich war allein, als sie kam“, sagt Johanna. Es war der 21. November 2011. Fast ist es, als wüsste`n das beide. Johanna und Flamme. „Ich kümmere mich mehr um sie, ich bürste sie öfter als die anderen.“ Manchmal geht sie sogar spazieren. Eine kleine Runde draußen auf der Wiese. So wie heute. Fürs Foto bindet Bauer Albert seiner Flamme sogar eine Glocke um. Den Glockenprotest in der Schweiz kann man in Südtirol nicht verstehen. 

Flamme und Gamsa sind Grauviecher

Die meisten Kühe in Südtirol gehören dieser Rasse an. Es gibt Rassen, die mehr Milch geben, aber diese Kühe sind echte Bergbewohner: Sie sind kleiner in der Statur als Kühe in der Ebene und haben trittsichere Beine, die sie auch in extremen Hanglagen weidetauglich machen. Außerdem sind sie widerstandsfähig, langlebig, gutmütig und darum auch angenehm zu melken. Der Südtiroler würde sagen: gut zu haben. Das Grauvieh gehört zu den autochthonen Rinderrassen und ist vor allem im Alpenraum verbreitet.

Der Stall des Wieserhofes ist ein Frauenhaus. Stier gibt es hier keinen mehr. Zu groß seien die Stiere, zu unruhig,  sagt Albert Mittermair, sie brächten den Stall durcheinander. Ich lerne, Kühe sind sensibel. Und neidisch. Nicht jede versteht sich mit jeder. Auf der Alm wird beobachtet, welche Kühe miteinander können. So kommen sie auch im Stall zusammen. Stierkälber dagegen haben keine Zeit sich anzupassen. Viele werden nach der Geburt verkauft. Im besten Fall leben sie als Ochsen länger.

Bei Flamme ist es bald soweit. Wir hoffen auf ein Mädchen.

#2

Markus und Gamsa

Puh, Kühe können so schlecht drauf sein. Dann sind sie kaum zu halten. So geht es Bauer Markus Kompatscher am Fronthof in Völser Aicha heute mit Gamsa. Er wird vom Kraftpaket einfach mitgezogen. „Die sind so durchgeknallt, wenn sie nach dem Sommer aus dem Stall kommen“, sagt seine Frau Elisabeth. Ihren kleinen Sohn Andreas bringt sie kurz in Sicherheit. Ich bin noch nicht sicher, ob ich Gamsa anfassen werde. Kühe haben ja auch Hörner. Markus und Gamsa sind hinter dem Haus verschwunden. „Werden sie wiederkommen?“, frage ich. „Ich weiß nicht“, sagt die Bäuerin.

suedtirol altoadige mucca kuh markus 3

discover

Kräftemessen: Markus Kompatscher kennt seine Gamsa ziemlich gut. Auch wenn sie heute kaum zu bändigen ist, bleibt sie seine Lieblingskuh.

Hören Sie nur, wie ruhig es in einem Stall ist... hier am Fronthof, wo die Kuh Gamsa wohnt.

Listen:

- 0:00
Volume
play
download

Ivo Corrà, unser Fotograf, schießt als Erster um die Ecke des alten, gut restaurierten Bauernhauses. Gamsa hat sich etwas beruhigt. Markus Kompatscher führt sie am Halfter in den Stall zurück, bindet sie dort an. Er ist ein hoch aufgeschossener, schlanker Mann, der sich wahrscheinlich selten aus der Ruhe bringen lässt. Jeden Morgen um halb sechs öffnet er die Stalltür. „Die Kühe stehen auf, wenn ich komme.“ Sie mögen diesen eintönigen Rhythmus. Dass der Bauer heute nicht allein ist, haben sie wohl bemerkt. Neugierig schauen sie uns an. Ist die wilde Gamsa wirklich seine Lieblingskuh? „Sie ist die Schönste. Ihre Hörner sind perfekt und sie ist ruhig beim Melken“, sagt er. Gamsa erinnert ihn auch an einen wichtigen Moment in seinem Leben: „Sie ist geboren, als ich den Hof übernommen habe.“ 2008 war das. „Also steht Gamsa mitten im Leben?“, frage ich. Markus überlegt: „Eher schon gegen Ende hin.“

Er kokettiert. Eine andere trifft es tatsächlich, als wir dort sind. Silke wird abgeholt. „Heute schon?“, entfährt es dem Bauern, als ein Mann im Overall plötzlich im Stall erscheint. Dann geht alles undramatisch und still. Es ist kein großer Abschied. Silke steigt mit dem Mann die schmale Steinstiege hinauf zur Straße. Wir schauen ihnen nach. „Da machen wir jetzt gute Würste“, sagt Elisabeth. Bauern wissen, dass dieser Moment kommt. Das heißt nicht, dass es ihnen nichts ausmacht. „Spanferkel und Kalbfleisch essen wir bei uns am Hof nicht. Wenn ich bei der Geburt dabei bin, kann ich das nicht“, sagt Markus. Seine Kühe kommen alle mindestens einen Sommer auf die Alm am Fuß des Schlern, Südtirols Bergwahrzeichen: „Alle meine Kühe müssen einmal den Schlern gesehen haben. Auch die Stierkälber.“

suedtirol altoadige mucca kuh markus 10

discover

Jede Kuh hat ihren Platz im Stall. Eine Plakette zeigt die Namen an. Lesen können die Südtiroler Kühe aber noch nicht.

Auch Gamsa kennt das Gras der Schlernwiesen. Sie ist keine Hochleistungskuh. 5.000 Liter Milch gibt sie im Jahr. 16 Liter am Tag. Gamsa. Was ist das überhaupt für ein Name? Elisabeth lacht: „Bei uns beginnen alle Namen mit ,G‘ oder ,S‘. Das ist manchmal ganz schön schwierig. Dann schauen wir halt im Internet nach Mädchennamen.“ Bei Gamsa war es anders, das ist ein Fantasiename.

suedtirol kuh fronthof

discover

Bauernsohn Andreas und ich geben dem Kälbchen zu trinken. Der Kleine hat das schon öfter gemacht, ich zum ersten Mal...

Ich hab sie nicht angefasst. Sie hatte keinen guten Tag. Lieber das Kälbchen, das nebenan in seinem Gitterbett steht und neugierig schaut. Bauernsohn Andreas und ich geben ihm zu trinken. Ich glaube, es ist scheuer als ich.

#3

Matthias und Flotte

Der Tantscherhof in Lajen über dem Eisacktal ist eigentlich nur ein hypermoderner Stall. Wie in einer Bar stehen die riesigen Fenster zur Landschaft hin offen. 2011 ist Matthias Ploner hier mit vier Kühen eingezogen. Davor war er zehn Jahre lang Bäcker gewesen. Seit sein Vater den Hof aufgegeben hatte. Bald danach kam Flotte. „Sie ist anhänglich wie ein Hund. Sie folgt mir. Schon als Kalb ist sie immer an mir hochgesprungen“, erzählt Bauer Matthias. „Wenn ich sie melken will, rufe ich einfach ,Flotte, komm!‘ und sie kommt.“ Er ist überzeugt davon, dass Kühe auf ihren Namen hören. „Sie spielen dann mit den Ohren.“

suedtirol altoadige mucca kuh matthias 7

discover

Matthias Ploner ist Biobauer. Seine Kühe bewegen sich frei im Stall.

Von April bis Oktober dürfen sie Tag und Nacht ins Freie, wie es ihnen beliebt. Futter steht ständig bereit. Die Kühe bedienen sich. Alle haben einen Chip im Ohr. Wenn sie sich dem Getreidespender nähern, misst der Computer, wie viel die Kuh heute schon „genascht“ hat, und spuckt entsprechend viel Nachschub aus. Mehrmals am Tag schaut Matthias nach seinen Kühen. Vor dem Melken reinigt und stimuliert er das Euter mit Holzwolle, nach dem Melken schmiert er es mit Aloe Vera ein. Bei Krankheiten konsultiert er sein Homöopathie-Buch. „Mir ist wichtig, dass die Kühe gesund sind, dann geh ich gerne in den Stall.“

Manchmal, wenn er früh dran ist, setzt er sich in die Hängematte und schaut von draußen den Kühen zu. Ich habe es auch probiert. Es ist sehr entspannend. Kühe verbringen die meiste Zeit des Tages damit wiederzukäuen. Das machen sie langsam und in ständig gleichem Rhythmus. Ein Mantra. „Ich gebe mich viel mit ihnen ab“, sagt Matthias Ploner, greift beherzt nach der Mistgabel und schiebt das verstreute Heu zusammen. Sein Sohn Luis, 3, folgt ihm. Greift beherzt nach der Schaufel und schiebt Heu. Wie der Vater. Nur in klein.

suedtirol altoadige mucca kuh matthias 14

discover

Matthias melkt seine 15 Kühe mit der Melkmaschine. Dabei massiert er zuerst deren Euter und schließt anschließend die Zitzenbecher an. Nach etwa zehn Minuten reibt er das Euter mit Aloe Vera ein.

An Flotte wage ich mich heran. Sie schaut gutmütig drein. Ich strecke meine Hand aus, sie lässt es geschehen, ohne sich groß für mich zu interessieren. Ich merke, wie kalt meine Hand ist. „Kühe mögen es kühl“, sagt Matthias. Deshalb stehen bei ihm die Stallfenster auch im Winter offen. Bis minus ein Grad finden es die Kühe ziemlich gut.

Matthias ist dagegen, Kühe bis auf den letzten Tropfen auszupressen. „Auf unseren Wiesen wächst nicht einmal das Futter für Hochleistungskühe. Das müssen die Bauern dazukaufen.“ In Südtirol ist genau geregelt, wie viele Großvieheinheiten pro Hektar Grund ein Bauer haben darf. Für Biobauern sind es zwei Kühe. Daran muss auch Matthias Ploner sich halten. „Sonst würde ich die Flotte ja durchfüttern, wenn sie alt wird und kaum mehr Milch gibt.“

Ich glaube es ihm. Er ist ein ungewöhnlicher Bauer. Gleich hievt er den Kinderwagen seiner Tochter Lina, 10 Monate, in den Anhänger seines Traktors, steigt mit seiner Frau Anita, einer Altenpflegerin, und den Kindern in den Führerstand und tuckert die Straße ins Dorf hinauf. Flotte hat es wirklich gut getroffen.

Flotte ist eine Pinzgauerin

Diese Kuhrasse gilt als gutmütig, robust, unkompliziert, weidetüchtig, „ganz feine Viecher“, sagt Züchter Matthias Ploner. Man erkennt das Pinzgauer Rind leicht am kastanienbraunen Fell und einer typischen Weißzeichnung an Rücken, Kreuz und Bauch. Die Pinzgauer sind eine typische Bergrinderrasse. Ihr Stammzuchtgebiet liegt in Salzburg; gleichzeitig waren Pinzgauer schon immer im Eisacktal und in der östlichen Südtiroler Landeshälfte geschätzt. Matthias Ploner: „Sie sind in der Milchleistung nicht so hoch gezüchtet.“ Durchschnittlich geben sie 6.400 Liter Milch im Jahr und gelten als gute Fleischlieferanten.

#4

Martin & Nelke

Für uns öffnen Elisabeth und Martin Fink die Stalltür. Ich hätte nie gedacht, dass Kühe so laufen können. Sie stürmen regelrecht ins Freie, weit auf die Wiese hinaus. Wo ist denn aber jetzt die Lieblingskuh? Wir brauchen sie doch fürs Foto. Das sei kein Problem, sagt Martin Fink. Er holt einen roten Plastikeimer, füllt „Leck“ hinein, eine Getreidemischung, der die Kühe nicht widerstehen können, und stellt sich auf die Wiese. „Pui“, ruft er. Pui. Und schon galoppieren die Kühe zu ihm, dass der Boden bebt. Doch nur Nelke darf den Kopf in den Eimer stecken.

suedtirol altoadige mucca kuh martin 8

discover

Bauer Martin Fink sagt, man müsse mit Kühen wie mit Frauen umgehen.

„Hat sie nicht einen schönen Kopf?“, fragt die Bäuerin. „Sie hat einen feinen Charakter“, sagt ihr Mann. Keine Mega-Leistungskuh sei die Nelke, aber sympathisch und gesund. Und sie schaue immer so freundlich. Dafür gibt sie auch genug Milch.

Den Fink-Bauern ist das wichtig. In ihrem Stall am Lärchhof am Ritten stehen 40 schwarzbunte Kühe, 20 davon sind Milchkühe. Und sie geben viel Milch. Bis zu 9.000 Liter im Jahr. Darauf sind sie als Zuchtrasse getrimmt. „Sie sind eine ausgesprochene Milchrasse“, sagt Elisabeth Fink. „Wir treiben sie nicht, sie geben das von allein.“ Gleichzeitig überlassen die Bauern kaum etwas dem Zufall. Schon bei der Besamung wird darauf geachtet, dass am Ende möglichst ein Kuhkalb – und kein Stierkalb - herauskommt.

Ich habe Nelke schon wieder aus den Augen verloren. Dabei hat hier wirklich jede Kuh eine andere Hautzeichnung. Nelke ist fünf, gerade erwartet sie ihr drittes Kalb. Sie selber ist auf der Wiese vor dem Haus geboren. Das passiert am Lärchhof. Manchmal muss Elisabeth Fink dann die Gäste ihres Urlaub-auf-dem-Bauernhof-Betriebes wecken.

Nelke ist eine Holsteinerin

Die Holsteinrasse ist die weltweit am stärksten verbreitete Rinderrasse. In Südtirol nennt man sie auch „Schwarzbunte“. Sie gehört zu den Hochleistungsrassen und ist die Milchkuh per excellence. In Südtirol erfreut sie sich immer größerer Beliebtheit, vor allem in günstig gelegenen Betrieben, die ihre Wirtschaft rein auf Milchproduktion ausgerichtet haben. Die Holsteinerinnen sind groß und kraftvoll, manche bringen bis zu 900 Kilo auf die Waage. Auffallend ist ihre schwarz-weiße Hauzeichnung.

Nelke ist eine Kuh, die wenig Probleme bereitet. Das schätzen die Fink an ihr. Sie gönnen ihr deshalb aber nicht mehr Streicheleinheiten als den anderen. „Die sind uns alle ans Herz gewachsen. Wir versuchen in der Zeit, wo die Kühe bei uns sind, fein mit ihnen zu sein“, sagt Bäuerin Elisabeth. Sie schreie die Kühe nie an oder komme ihnen mit dem Stock. „Damit macht man sie nur narrisch.“ Man müsse sie behandeln wie Frauen, weiß der Bauer. So sensibel seien Kühe.

ivo corrac 7997

discover

Dieses neugeborene Kalb saugt mit Kraft und Inbrunst am Finger von Bäuerin Elisabeth Fink. Sie lässt es gewähren. So sehr die Fink-Bauern auch wirtschaftlich denken, in ihrem Alltag gibt es immer Zeit für Menschlich-Tierisches.

Die Fink sind Bauern, wie wir sie uns vorstellen. Freundlich, ein bisschen nüchtern, sie geben den Kühen, was diese brauchen. Beim Rundgang durch den eiskalten Stall – ich weiß jetzt, dass Kühe das mögen -, komme ich an einem süßen Kalb nicht vorbei. Als ich es kraulen will, schnappt es nach meinem Finger. Ich zucke zurück. Elisabeth lacht. Sofort beginnt das Kalb, an ihrem Finger kraftvoll zu saugen. Sie lässt es zu. Eine lange Weile. In diesem Moment verstehe ich, sie mag ihre Kühe wirklich. Es muss also nicht immer Nelke sein. Wo ist die überhaupt wieder?

Text: Gabriele Crepaz
Fotos: Ivo Corrà

Was Sie über Kühe wissen sollten

Wasser pro Tag

100 Liter

Futter pro Tag

40 Kilo

Melken pro Tag

2 Mal

Dauer Trächtigkeit

9 Monate

Höchstalter im Schnitt

10 Jahre

suedtirol altoadige mucca kuh johanna 9

discover

Flamme ist eine sehr gehorsame Kuh. Johanna nimmt sie gerne, mitsamt Kuhglocke, beim Spaziergang mit.