Hand am Werk

Egal, was die Bauern angriffen, sie schufen Unikate. Designer Philip Santa hat altes Handwerkswissen nun salonfähig gemacht.

  • Oktober 2016

  • Lesedauer: 3'

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Hand am Werk

Egal, was die Bauern angriffen, sie schufen Unikate. Designer Philip Santa hat altes Handwerkswissen nun salonfähig gemacht.

Sinn für Schnickschnack hatten die Bauern in Südtirol nie. Was sie schufen, musste funktionieren. Danach durfte es auch noch schön sein.

Was haben die Alten gut gemacht? Was müssen wir verbessern? Wie kann altes Handwerkswissen weiterleben? Der junge Designer Philip Santa hat sich vorgenommen, das traditionelle Flechthandwerk zu retten, das er bei seinem Großvater kennengelernt hat.

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Großvaters Faden

Philip Santa ist nicht Bauer geworden wie sein Großvater. Er ist Designer. Was Großvater und Enkel verbindet: die Freude am Produkt, das aus der Funktion heraus schön ist.

Vor nicht allzu langer Zeit war Franz Fäckl der letzte in seiner Gemeinde Deutschnofen im Eggental, der noch flechten konnte. Jetzt hat Philip Santa von seinem Großvater das Handwerk gelernt. Er wollte nicht, dass das alte Wissen einfach verschwindet. Dafür ist es zu erprobt und wurde zu oft weitergegeben.

Durch die Weitergabe des Wissens entsteht ein roter Faden, der die Generationen miteinander verbindet. So unterscheidet sich eine Gemeinschaft von der anderen. Philip Santa, Designer

2013 schloss er sein Studium an der Freien Universität Bozen ab. Seine Abschlussarbeit: eine Dokumentation über die Tradition des Südtiroler Flechthandwerks und eine Neuinterpretation der Materialien, Formen und Werkzeuge, die dafür genutzt werden. Als wir ihn treffen, hat er einen Rucksack über der Schulter, sein geflochtenes Meisterstück, in dem alle Utensilien verstaut sind. So kann die Arbeit fortan auch als Ausstellung gebucht werden.

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Wie früher, nur heute

Jahrhundertelang spielte das Handwerk eine bedeutende Rolle auf Südtirols Bauernhöfen. Der „Rote Hahn“, in Südtirol die erste Adresse zum Kennenlernen von unverfälschter bäuerlicher Lebensart, hat sich auf die Suche gemacht: nach flinken bäuerlichen Händen, die am Hof handwerklich tätig sind und gleichzeitig neue Wege gehen. Zwei Bauern und eine Bäuerin haben ihre Werkstatt nun für Besucher aufgesperrt.

sagmeister roter hahn
rita amort
sagmeister

Ein Stück Arbeit

Früher wurden Körbe geflochten, damit Waren transportiert werden konnten, Schüsseln aus Holz kamen in den Haushalt, ein Gürtel wurde bestickt, weil die Tradition es so wollte, Holzfiguren wurden für die Krippe gebraucht. Die Bauern waren Selbstversorger. In jeder Hinsicht. Wenn der Winter besonders lang war, konnte es sein, dass man vom Selbstgemachten auch etwas verkaufen konnte.

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Vieles hat sich im Leben der Bauern geändert. Die einen arbeiten fern vom Hof, um diesen halten zu können, andere haben sich Beschäftigungen gesucht, die lukrativer sind als Flechten und Schnitzen. Bauern, die heute noch einem Handwerk „frönen“, machen das weder aus Gewohnheit noch aus Notwendigkeit. Wie Philip Santa haben sie erkannt, dass altes Wissen nicht einfach aussterben kann. Es gehört zu ihnen wie der Hof, den sie geerbt haben.

Hier schauen Sie den Bauern über die Schulter

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Hier schauen Sie den Bauern über die Schulter

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Thalerhof, Herbert Kerschbaumer (Holzschnitzer) Via Schnauders, 39040 Snodres Bolzano, Italy +39 349 622 00 47

Oberhof, Erhard Paris (Korbflechter) 39016 Ulten, Bolzano, Italy +39 339 171 38 97

Oberplattner-Hof, Philipp Sagmeister (Drechslerarbeiten) Brixen, Bolzano, Italy +39 338 199 90 84

Amort-Hof, Rita Amort (Filzhandwerk) Frazione Guggal, 26, 39040 Altrei, Bolzano, Italy +39 380 712 25 37

Lahngut, Karl Heinz Windegger (Drechslerarbeiten) Lahnstraße, 9, 39011 Lana Bolzano, Italy +39 335 839 70 70

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