Wein-Ladies

Vor mehr als 30 Jahren war Elena Walch Südtirols erste Winzerin und lange die einzige. Jetzt mischen ihre Töchter Julia und Karoline mit. Ein Generationen-Gespräch.

  • Mai 2019

  • Lesedauer: 6'

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Wein-Ladies

Vor mehr als 30 Jahren war Elena Walch Südtirols erste Winzerin und lange die einzige. Jetzt mischen ihre Töchter Julia und Karoline mit. Ein Generationen-Gespräch.

Eigentlich war Elena Walch Architektin. 1985 begann sie als erste Frau in Südtirol, selbst Wein zu machen. Als Quereinsteigerin, die mit dem Blick von außen vieles anders machte als die damalige Südtiroler Weinwelt: Das getrennte Vinifizieren der Trauben aus ihren Weinbergen Castel Ringberg und Kastelaz zu „Terroir-Weinen“, das Ausreißen der klassischen Vernatsch-Rebe zugunsten anderer, modernerer Rebsorten, die konsequente Entscheidung zu weniger Ertrag, dafür aber besserer Qualität.
Viele Winzerkollegen schüttelten anfangs den Kopf. Dass Elenas Entscheidungen richtig waren, zeigte sich schon bald am internationalen Erfolg. Längst gehört das Weingut Elena Walch zur Elite der italienischen Weinszene. Seit 2013 arbeiten auch Elenas Töchter Julia und Karoline im Weingut ihrer Mutter. Wie war es vor 30 Jahren für Elena Walch, die einzige Frau in einer Männerdomäne zu sein und was haben ihre Töchter jetzt vor? Wir haben uns zum Gespräch auf Schloss Ringberg in Kaltern getroffen.

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Neue Wege

Frau Walch, als Sie mit Ihrem Weingut angefangen haben, haben Sie als Quereinsteigerin auch vieles umgestellt, was seit Generationen Tradition war. Wie war das zu Beginn?
Elena: Anfangs bedeutete das zu strampeln, aber ich habe versucht mich hineinzufühlen und einen eigenen Weg zu finden. Da sind die Töchter viel besser dran, weil sie auch eine weinspezifische Ausbildung haben. Als Architektin hatte ich ein logisches Verständnis für die Welt, die mich umgeben hat und mein Umfeld hat mir natürlich sehr geholfen: Mein Mann ist seit vielen Generationen im Weinbereich tätig und da hatte ich die volle Unterstützung. Aber ja, ich habe die Richtlinien vorgegeben. Und dabei war ich hartnäckig und stur.
Karoline: Vor allem hast du als Outsiderin neue Ideen in den Betrieb eingebracht, wie das Terroir-Denken – und da muss man schon sagen, warst du eine Vorreiterin in Südtirol, als du gesagt hast: Man sollte im Weinberg was Anderes machen, die Herkunft ist wichtig, die Einzellagen…
Elena: Es ist ja schade, nicht zu wissen, woher der Wein kommt! Ich habe meinen Mann dann überzeugen müssen, große Investitionen zu machen. Ich sagte: Schau, wir haben diese wunderschönen Weinberge, die aber nicht im Top-Bereich sind. Übergib sie mir und ich setzte mich ein! Vielleicht war es auch ein Glück, dass ich von außen kam und es für mich etwas Neues war, etwas Märchenhaftes, das Weingut mit dem Schloss mittendrin. Ich hatte das Gefühl: Das muss man auf Händen tragen! Früher hat man alle Trauben in einer Produktion verarbeitet. Ich sagte: Die Trauben von Schloss Ringberg müssen besonders behandelt werden und die Trauben von Kastelaz müssen auch einen eigenen Weg gehen.

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Woher kommt der Wein?

Die Herkunft wird für den Weinkonsumenten immer wichtiger, oder?
Karoline: Ja, das stimmt. Für uns als Familienweingut ist das von Anfang an ein wichtiges Credo gewesen. Um nachzuweisen, dass es wirklich exklusive Einzellagenweine sind, haben wir zwei „Vignas“, eine Klassifikation zur Herkunftsgarantie, eben Castel Ringberg und Kastelaz.
Julia: Weingenießer wollen heute wissen, wo der Wein herkommt, gerade wenn man von hochwertigen Weinen spricht. Daher kommt die Idee der Einzellagen, zu sagen: Das ist mein bester Weinberg, mit diesen produziere ich meinen besten Wein. Dafür gibt es nur eine bestimmte Anzahl an Flaschen, denn der Weinberg ist natürlich limitiert. Die Eintragung von „Vignas“ hat sich in Südtirol in den letzten Jahren rasant verbreitet.
Karoline: Südtirol als Weinland wird den Leuten immer mehr ein Begriff. Wir sind zurzeit in Italien die gefragteste Region, besonders, was Weißwein anbelangt. Man darf nicht vergessen, dass wir als Weinregion eine der kleinsten in ganz Italien sind, wir haben weniger als ein Prozent der gesamten italienischen Weinproduktion – praktisch nichts! Wenn ich dann einen Sommelier in Texas treffe, der Südtirol-Fan ist, können wir schon stolz sein, nicht?

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Große Spuren

Den internationalen Erfolg hat sich eure Mutter über die Jahre erarbeitet und damit ziemlich vorgelegt. Karoline und Julia, ist das irgendwie auch eine Bürde?
Julia: Nein, überhaupt nicht, ich finde wir haben von unserer Mutter gelernt, wie man‘s macht.

Elena: Oh, das freut mich zu hören! (lacht)
Julia: Ja, wie man sich durchsetzt und seinen Weg geht. In Deutschland höre ich zum Beispiel immer noch von Gastronomen: „Ja, Frau Walch war vor 25 Jahren mal hier, ich erinnere mich gut.“ Das ist eigentlich ein Wahnsinn, aber unsere Mutter war da eben eine der ersten, die selbst zu den Restaurants hingegangen ist.
Karoline: Ja, die Leute erinnern sich an sie, im Guten wie im Schlechten, sie war halt hartnäckig, ist manchen Leuten auch richtig auf die Nerven gegangen….
Elena (lacht): Ich bin einfach nicht weggegangen, bevor sie nicht mit mir gekostet haben. Mir war es wichtig zu wissen: Wie stehe ich denn da mit meinem Produkt?
Karoline: Und ich glaube damals waren die Leute auch perplex, dass in der Männerwelt eine Frau auf den Tisch geklopft hat…

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Elena Walch macht Südtirols Wein weiblich

Damit sind wir schon beim Thema: Sie waren damals Südtirols erste Winzerin und auch sonst eine der wenigen Frauen im Weinsektor. Wie war das für Sie?

Elena:
Man hat mich anfangs sehr skeptisch angeschaut und gefragt: Wo ist denn Ihr Mann? Dann habe ich gesagt: Ich habe meine eigenen Weine, dahinter stehe ich. Schlussendlich habe ich es als Herausforderung gesehen und es hat mir auch gefallen, allein unter all diesen Männern zu sein. Nach der anfänglichen Skepsis bin ich sehr gut akzeptiert worden. Das Thema Frau sollte überhaupt nicht mehr so in den Vordergrund gestellt werden: Ich bin der Meinung, was zählt, ist die Qualität. Ob der Wein von einer Frau oder einem Mann kommt, ist vollkommen egal. Außerdem habe ich ja auch einen Önologen, der den Wein macht. Ich, bzw. jetzt eben die Mädchen, teilen ihm mit, was wir im Wein wichtig finden oder welches Gefühl der Wein geben soll, dann versucht er das zu interpretieren. Vielleicht hat es in der Vermarktung geholfen, eine Frau zu sein, da wir Frauen emotionaler kommunizieren, der Mann ist viel technischer. Und Wein ist doch ein Produkt, das sehr viel mit Gefühl und Genuss zu tun hat, keine Schraube.

Warum die Oberfläche nicht alles ist

Julia und Karoline, welche Veränderungen gibt es seit eurem Einstieg in das Weingut?
 
Karoline: Ja, wir kommen zwar quasi in ein „gemachtes Nest“, aber wir fragen natürlich: Was kann man noch verbessern? Ich finde, grade im Weinbereich gibt es ständig viel zu tun. Etwa was die nachhaltige Arbeit im Weinberg betrifft: Wir müssen viel tiefer in den Boden schauen, dorthin wo die Wurzeln liegen. Im neuen Gärkeller arbeiten wir mit dem Prinzip der Schwerkraft und haben sehr viele kleine Tanks für die Parzellenweine, so können wir auch flexibler auf den Jahrgang reagieren. 
 

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Julia: Die Weine sind herausragend. Aber sie sollen ja immer besser werden. Mittlerweile gehen wir auf 1.000 m Höhe hinauf mit den Weinbergen. Es braucht viel Recherche, auch in Hinblick auf den Klimawandel: Wenn man die Parzellen getrennt ausbaut, sieht man natürlich wie sich der Weinberg im Laufe der Zeit entwickelt, wo wir hinwollen und was wir verändern müssen.

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Next Generation

Elena, das klingt so, als hätten Ihre Töchter alles ziemlich gut im Griff. Wie geht es Ihnen dabei, wenn Sie sehen, dass Ihre Töchter in ihrem eigenen Stil weitermachen?

Elena: Ich muss sagen, die Mädchen haben eine große Ruhe und Ausgeglichenheit ich war immer nervös.
Karoline: Ich glaube, die Arbeit heutzutage ist eine andere als damals bei Mama, sie hat es von null auf aufbauen müssen. Wir müssen das, was sie aufgebaut hat, erfolgreich weiterführen, mit unseren eigenen Akzenten.
Elena: Wir produzieren für Weinliebhaber, die etwas Besonderes suchen, egal wo die sind, das hatte ich mir von Anfang an zum Ziel gemacht. Jetzt sehe ich, dass es mich nicht mehr braucht – ich schaue mit Stolz und Freude zurück, aber ich glaube es kann einem Betrieb nichts Besseres passieren, als Nachkommen zu haben, die mit Interesse und mit Freude einsteigen. Ich muss sagen: Die Mädchen machen das wirklich gut.

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Interview: Marlene Lobis & Elisabeth Stampfer
Foto: Ivo Corrà
Video: Ebner Film