Romeo Castellucci bei Transart: Credere alle maschere – eine wortlose, immersive Erfahrung über Blick, Anonymität und Verantwortung.
von
Zentrum
Romeo Castellucci kehrt mit Credere alle maschere zu Transart zurück – einer Kreation, die ihre absolute Uraufführung bei FOG – Performing Arts der Triennale Milano erlebte. Eine wortlose, immersive Erfahrung, die ein Alphabet aus Bildern, Stille und Masken beschwört und die Verantwortung des Blicks in den Mittelpunkt stellt.
Ein leerer, steriler Raum. Am Eingang erhält jede Person aus dem Publikum eine Maske. Sie zu tragen bedeutet, die eigene Identität zu suspendieren und einer temporären Gemeinschaft namenloser Gesichter beizutreten. In diesem geteilten Anonymat wird, wer schaut, selbst angeschaut – in einer Stille, die von Spannung geladen ist. Im Zentrum steht ein einzelner Stuhl: stummer Verweis auf Gewalt und Macht, ein Objekt, das eine lange Geschichte zwischen Kunst und Tod in sich trägt. Die theatrale Fiktion bricht auf, und mit ihr die beruhigende Trennung zwischen Bühne und Publikum.
Credere alle maschere bestätigt die Radikalität von Romeo Castellucci, einer zentralen Figur des zeitgenössischen europäischen Theaters. Eine Erfahrung, die jeden Rückzugsort entzieht und die Teilnehmenden dazu bringt, sich der Verantwortung ihres eigenen Blicks zu stellen. Keine Antworten werden gegeben – nur hartnäckige Fragen bleiben, die an die Schauenden gerichtet sind.
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