Knecht auf Zeit: Aktive Bergbauernhilfe in Südtirol

Heu machen am Steilhang ist knochenharte Arbeit. Doch wer im Südtirol Urlaub seinen Kopf frei bekommen will oder einfach nur Abstand vom Alltag braucht, nimmt diese und andere Aufgaben bei freiwilliger Arbeit gegen Kost und Logis in den Bergen Südtirols gerne an. Was kann schließlich schöner sein, als Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind und ums wirtschaftliche Überleben kämpfen, zu helfen?

In Südtirol gibt es 25.000 Bauernhöfe (Obst- und Viehbauern). Davon werden 80 Prozent von Familien bewirtschaftet, jeder zweite Hof ist kleiner als fünf Hektar. Es gibt 12.500 „geschlossene Höfe“ das heißt, ein Hof wird nur als Ganzes vererbt und soll eine vierköpfige Familie ernähren können.

Die Heimatverbundenheit der Südtiroler und das Gefühl der Bauern, hier und nirgendwo anders hinzugehören, haben zur Folge, dass nur wenige Bauern vom Hof gehen. Der Prozentsatz der aufgelassenen Höfe ist daher niedriger als in den meisten Regionen Europas. Trotzdem stellt das Leben der Bergbauern auch eine große Herausforderung dar: 65 Prozent der Höfe liegen auf über 1500 Meter Höhe, die Bewirtschaftung in einer steilen Hanglage erschwert den Arbeitsprozess erheblich. Seit einigen Jahren setzt sich der Verein Freiwillige Arbeitseinsätze (VFA) für Bergbauernfamilien in Südtirol ein und vermittelt freiwillige Arbeitskräfte an Südtiroler Bergbauernhöfe. Ob bei der Ernte, im Haushalt, bei der Betreuung von Kindern sowie älteren und behinderten Menschen, geholfen werden kann überall. Die Mitarbeit der Freiwilligen ermöglicht den Bauernfamilien, weiterhin auf ihren Höfen arbeiten und leben zu können. Den Helfern hingegen erschließt sich eine unvermutete Welt, in der harte körperliche Arbeit, der Dienst am Nächsten und ein Leben in Ruhe und im Einklang mit der Natur tiefe Zufriedenheit und Freude hinterlassen. 

Zwei Drittel der Höfe können nicht mehr ausschließlich aus ihren landwirtschaftlichen Erträgen leben. Daher verdienen diese sich mit Urlaub auf dem Bauernhof und als Buschenschänke ein Zubrot. Die Erzeugung eigener Produkte wie Brot, Jogurt, Marmelade, Käse und Kräutergerichte sind somit zur Notwendigkeit geworden. Über 1.600 Höfe bieten Urlaub auf dem Bauernhof und Einblicke in die bäuerliche Lebensart an. Nach einer ausgedehnten Wanderung in einem bäuerlichen Schankbetrieb einkehren, sollten Sie unbedingt in Südtirols Höfen der Marke Roter Hahn.

Vor einiger Zeit haben Südtirols Bäuerinnen ihr Selbstbewusstsein aufpoliert und ihre Arbeit in einem Dienstleistungsportal zugänglich gemacht: "Mit Bäuerinnen lernen  - wachsen -  leben“ lautet die Botschaft der bäuerlichen Kultur aus Frauensicht. Wertvolles, über die Jahrhunderte angesammeltes Wissen traten die Bäuerinnen in Hofführungen, Verkostungen hauseigener Produkte, in Koch- und Handarbeitskursen weiter. Der Bauernhof als Lernstube ist ein aussichtsreiches Zukunftsprojekt und zugleich eine Reise zu den Anfängen des Lebens.