Auf die Plätze, fertig....lauf!

Ganz einfach. Der Körper weiß, was er braucht. Gesund kochen, gut essen, laufen. Kalorienzählen? Nein, sagt Nino la Marchina.

  • Mai 2016

  • Lesedauer: 6'

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Auf die Plätze, fertig....lauf!

Ganz einfach. Der Körper weiß, was er braucht. Gesund kochen, gut essen, laufen. Kalorienzählen? Nein, sagt Nino la Marchina.

Manche Zufälle lassen das Leben in eine Richtung laufen. Das kann eine Begegnung sein, ein Ort oder eine Autofahrt. Dann reicht das eine dem anderen die Hand. Und ein Lebensstil entsteht.  „Auf den Körper hören“, das sagt Nino la Marchina mehrmals in unserem Gespräch. Darauf legt er Wert, „das ist entscheidend.“ Auf seinen Körper gehört hat er schon als Siebenjähriger und vielleicht ist das der Zufall, der sein Leben geprägt hat. Vier Kilometer bevor sie zu Hause ankommen, im Antholzertal, mitten im Naturpark Rieserferner-Ahr, will der kleine Nino nicht mehr sitzen. Er will laufen. Seine Mutter hört auf ihn, auf den Körper ihres Sohnes und macht die Autotür auf. Nino läuft.

Losgelassen hat den 44-Jährigen diese Bewegungsform seitdem nicht mehr. „Für mein Alter hab ich damals eine gute Zeit hingelegt“ erzählt er zufrieden. Wir sitzen in der Stube, dort wo das Zusammenkommen im Mittelpunkt steht. Im Hotel Salomonsbrunn, Ninos zu Hause.

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Ich hab es gewusst, ohne Einsatz kein Output. Wir stehen vor dem Hotel Salomonsbrunn, hinter uns die Rieserfernergruppe. Eine Frage, die zentrale vielleicht, darf jetzt gestellt werden. „Nino, warum ist das Laufen denn so wichtig für dich?“. Seine Augen leuchten, sein Körper strahlt: „Ich könnte niemals ohne“, erklärt er, „wenn ich laufe ist es, als ob ich fliegen würde. Ich fühle mich wie ein Löwe, der seinen Käfig verlässt.“ Und ich sehe ihn vor mir, den siebenjährigen Nino. Wie er die Autotür aufmacht, und läuft. Bis er zu Hause ankommt.

„Euer Körper weiß, was er braucht. Wenn ihr nicht hungrig seid, esst nicht, esst nicht um etwas zu erzwingen. Esst nicht, damit ihr fitter seid, damit ihr schneller oder leistungsfähiger werdet. Trink oder esst erst dann, wenn der Körper dazu bereit ist. Lernt Euren Körper kennen.“ Nino La Marchina

Ruhen, um sich zu sammeln

Gerade genießt er die Auszeit vom Betrieb. „Vier Wochen haben wir mindestens geschlossen, bevor wir in die Sommersaison starten. Ohne Ruhe, keine Kraft.“ Ninos Körper ist drahtig, aufrecht, bereit. „Zu oft gehen wir über unsere Grenzen, vergessen die Pausen im Leben. Langfristig funktioniert das nicht.“ Den Betrieb übernommen hat er 2015, gemeinsam mit seiner Schwester Denise.

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Malerische Familiengeschichten

Ninos Geschichte, ist auch die seines Urgroßvaters. Josef Maria Auchentaller wird 1865 in Wien geboren. Er arbeitet als Maler und Grafiker, mit Gustav Klimt ist er für mehrere Jahre in der Wiener Secession aktiv tätig. Ab 1903 führt Auchentaller in Grado das Gästehaus „Pension Fortino“ und prägt entscheidend den Aufschwung des kleinen Badeortes an der Adria mit. Damals, als Österreich noch Teil des Habsburgerreiches war. Ninos Großvaters ist es, der Bad Salomonsbrunn erwirbt, seine Tochter hat gesundheitlichen Beschwerden. „Meine Mutter ist mit neun Jahren vom Meer in die Berge übersiedelt. Sie hatte immer wieder Fieber, ein Arzt riet einen klimatischen Ortswechsel an“, erzählt Nino. Die Radonbäder sind seit 450 Jahren in Bad Salomonsbrunn Orte der Erholung, der Küchenchef weiß um die Wirkung der Quelle: „Das Wasser hat eine beruhigende, entspannende und ausgleichende Wirkung auf das zentrale und periphere Nervensystem. Außerdem regt es den Stoffwechsel an.“

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Liebe geht durch den Magen

Der Naturpark Rieserferner-Ahr ist Ninos Heimat, seine zweite Spielstube ist die Küche. „Meine Oma hat mir gezeigt, wie der Apfelstrudel gemacht wird“, erzählt er verschmitzt.  „Mit 16 Jahren hab ich in den Schulferien angefangen, daheim in der Küche mitzuarbeiten.“ Mit 25 Jahren ist Nino Küchenchef im Hotel, das die Familie in der 4. Generation führt. „Ich führe ein gesundes Leben, schon immer.“ Ein gesundes Leben?, denke ich und frage Nino: „Was heißt das?“ Seine Antwort ist einfach – Nino, der Küchenchef, der Marathonläufer, sagt: „Ich esse gesund, um mir und damit meinem Körper etwas Gutes zu tun. Meine Gäste umsorge ich auch auf diese Weise: Einfach, gut und gesund. Und ich bewege mich.“

„Unser Essen ist unsere Energie. Ich stelle mir meine Energie wie ein Feuer vor. Es muss konstant gefüttert und genährt werden. Aber niemals darf man es erstickten oder überreizen. Zu viel Essen kann das Feuer ersticken, abtöten. Leichte Kost hinterlässt ein leichtes Hungergefühl. Keine Angst! Wenn es so weit ist, sind Sie auf dem richtigen Weg.“ Nino La Marchina

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Acht bis 20 Kilometer läuft Nino täglich, „ich trainiere unregelmäßig, je nachdem wieviel Zeit ich habe.“ Unregelmäßig, aber täglich. Disziplin und Konstanz sind unabdingbar. Zu wenig für einen professionellen Marathonläufer, entscheidet der Leichtathletiktrainer Gert Crepaz, als Nino sich als Jugendlicher bei ihm vorstellt. „Küchenchef?“, entfährt es Crepaz, „vergiss es.“ Hart aber ehrlich wird der Antholzer Hotelierssohn aus dem Trainingsteam hinauskomplimentiert. Marathonläufer ist er trotzdem geworden, zwar kein Hauptberuflicher, aber er hat es geschafft, zwei Lebensziele zu kombinieren: seine Passion, den Lauf und seine Leidenschaft, das Kochen.

Gesunde Ernährung à la Nino la Marchina:

Vermeiden, oder einschränken:

- Fertiggerichte
- Alkohol
- Koffein
- Gluten
- Milchprodukte
- Sehr fetthaltige Nahrung

In den Focus:

- Gemüse
- Obst
- Fisch
- Fleisch

Tipps vom Experten:

- Abendessen gegen 18 Uhr
- Gut kauen
- Langsam essen
- Fernsehen aus, Zeitung weg. Konzentration aufs Essen
- Auf den Körper und seine Bedürfnisse hören
- Fasten bringt's! Ein kleines Hungergefühl beim Zubettgehen stimuliert. Powergefühl am Morgen garantiert!

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„Dein Leben verändern kannst Du immer“

Bald wird Nino zum zweiten Mal Vater:  „Mit meinem Sohn geh ich oft radfahren, wir backen zusammen Kuchen oder sammeln im Wald Hölzer.“ Spielplatz Natur, Tummelplatz Küche. Geschichten wiederholen sich. Achtsamkeit ist Nino als Familienvater aber auch als Hotelier, Küchenchef und Marathonläufer wichtig. Achtsam sein mit sich, mit den anderen. Um seine Gäste optimal zu betreuen, muss er sie kennen, sie verstehen. „Ich spreche mit ihnen, muss um ihre Ernährungsgewohnheiten wissen, muss erfahren, ob ihr Körper trainiert ist, ob sie viel im Büro, im Auto, sitzen. Was sie mit ihrem Körper machen. Wenn ich ihren Lebensstil kenne, kann ich eine Empfehlung abgeben, wie sie eine Veränderung herbeiführen können.“ Für Nino liegt es auf der Hand: Die Veränderung des Lebensstils beginnt beim Kochen, beim Essen.

Nino weiß, warum. Ein Lauf bringt ungeahnten Nutzen, er:

-stärkt den Geist
-hilft beim Stressabbau
-stärkt das Immunsystem
- baut Giftstoffe im Körper ab
- dient dem Muskelaufbau
- regt den Stoffwechsel an

Das Laufen im Herzen

Vielleicht ist das Aufwachsen im Naturpark Riserferner Ahr der nächste Zufallstreffer im Leben von Nino la Marchina. Draußen spielen ist die natürlichste Sache der Welt, laufen passiert nebenbei. Dass Leute einen Lauf planen, sich Ziele setzen, wird ihm bewusst, als er mit 14 Jahren  einen Marathonlauf im Fernsehen sieht. „Verrückt“, denkt sich der Teenager, „42 Kilometer zu laufen, ohne anzuhalten.“ Und sein Ehrgeiz, sein Feuer ist entfacht. „Das will ich auch“, sagt er sich. Und so läuft er mit 27 Jahren seinen ersten Marathon in Wien, belegt in der Gesamtwertung Platz 16. Profiläufer wie Georg Brunner und Hermann Achmüller begleiten Nino viele Jahre, unterstützen ihn. „Jeder Marathon hat seine Geschichte“, schwärmt er, „aber Berlin 2003, war für mich einzigartig. Da habe ich meine persönliche Bestzeit erreicht.“ 2:26:56. Von 40.000 Athleten belegte der Küchenchef Platz 45, für ihn ein Traumergebnis.

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Der Marathon

42,195 km ist ein Marathon lang. Nino la Marchina nimmt durchschnittlich zwei Mal jährlich an einem Langstreckenlauf teil. Der Halbmarathon ist 21,097 km lang.

Langsam aber konstant

Ich gebe es zu. Immer wieder denk ich mir: Laufen wäre doch so praktisch. Rein in die Turnschuhe und raus. Aber laufen ist eben mehr. Laufen ist ganzheitlich. „Zuerst“, erklärt Nino La Marchina, „muss die Ernährung umgestellt, der Körper entgiftet werden. Dann gilt es, gesund zu kochen und zu essen. Ein paar Kilo weniger können nicht schaden, dann läuft es sich leichter.“ Radfahren oder schnelles Walking, empfiehlt der Experte als Einstiegsdisziplinen. „Dann, langsam, nach und nach, steigert man sich. Laufen und gehen wechseln sich zunächst im Training ab.“ Damit der Körper mit der Anstrengung zurechtkommt und nicht überfordert ist. „Dran bleiben, das ist das Um und Auf“, präzisiert Nino. „Beim Laufen fühlt sich der Körper nicht sofort wohl, er muss sich daran gewöhnen.“ Dann geht Steigerung, dann geht mehr.

Text: Valentina Casale
Deutsche Redaktion: Ursula Lüfter
Fotos: Ivo Corrà

Beruhigendes Wasser

Das ehemalige Badehaus stand nahe am Berghang und wurde 1820 durch einen Steinschlag stark beschädigt. An sicherer Stelle steht heute ein modernes Badgasthaus. Aus der familieneigenen Mineralwasserquelle "Salomonsbrunn" sprudelt frisches, radonhaltiges Minderalwasser. Angezeigt ist es bei Knochen-, Gelenks- und Muskelerkrankungen. Es senkt den Blutdruck und wird bei chronischen Venenleiden eingesetzt. Seine Wirkung entfaltet das Radonwasser in Form von Bädern und Trinkkuren.