Mrz 2016

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Die Lebensretter

Der Helikopter des Aiut Alpin hat die Flugrettung revolutioniert. Warum die Retter in den Dolomiten auch noch kreativ sein müssen.

Er ist rot, voll mit Sponsoren-Aufklebern und steht auf dem Platz neben einem anderen Hubschrauber, der für Transporte und Rundflüge gebucht werden kann. Was ist anders an ihm? Auf den ersten Blick gar nichts. Aber dann haben wir mit Adam Holzknecht gesprochen…

Der Bergführer Adam Holzknecht (49) ist seit 28 Jahren Bergretter und seit Mai 2014 Präsident des Aiut Alpin, der Flugrettung in den Dolomitengebieten. 17 Rettungsmannschaften aus Südtirol und den angrenzenden Provinzen Belluno und Trentino sind im Aiut Alpin zusammengeschlossen. Als wir zum Gespräch nach Pontives in Gröden, in die Basis des Aiut Alpin, kommen, ist hier alles ruhig. An diesem Tag hat es keinen Einsatz gegeben. Dennoch wird der Hubschrauber des Typs EC135T2 jeden Tag gewartet, egal, ob er geflogen wurde oder nicht. Nach 400 Flugstunden wird die Maschine sogar komplett auseinandergebaut. Der EC135T2 ist der Erste seiner Art, ausgestattet nach den Wünschen des Aiut Alpin. Inzwischen hat das Modell im Alpenraum Schule gemacht, u.a. bei Air Zermatt. Aber allein auf die Technik will sich weder der Aiut Alpin noch Adam Holzknecht bei der Flugrettung verlassen: „Es ist nicht so logisch, dass nie etwas passiert. Wir haben jetzt über 20 Jahre Glück gehabt.“ Aber auch beim Glück muss man nachhelfen. Nicht?

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Adam Holzknecht ist seit 27 Jahren bei der Bergrettung und seit 2014 Präsident der Dolomiten-Flugrettung Aiut Alpin.

Euer Hubschrauber da draußen hat sicher einen Namen. Wie nennt ihr ihn?
Wir sagen, jetzt kommt der Aiut oder der rote Hubschrauber. Er hat eigentlich keinen Namen, er funktioniert gut, aber er ist doch nur eine Maschine...

Trotzdem ist er nicht wie jeder andere Hubschrauber. Er wurde für euch maßgeschneidert. Was ist so besonders am „Aiut“?
Wir haben den Hubschrauber ausgesucht, der am besten geeignet ist. Dieser hier ist nicht ganz schwer und sehr wendig. Vor allem aber ist die Innenausstattung genauso, wie wir sie haben wollten. Das heißt, so leicht wie möglich. Man könnte ja viel in den Hubschrauber einbauen, aber alles ist Gewicht. Und Gewicht ist beim Fliegen immer ein Problem. Man muss immer schauen, so wenig Gewicht als möglich zu haben.

Also auch der Hubschrauber an sich soll leicht sein?
Er muss leicht sein und viel Kraft haben, damit er viel Gewicht tragen kann. Man muss sich vorstellen: Der trägt sein Eigengewicht, dann ist da der Pilot, der Windenmann, der die Seilwinde bedient, der Arzt und der Bergretter. Diese vier fliegen immer mit. Bei Lawinenunfällen ist auch ein Hundeführer mit Hund dabei. Dazu kommt die Trage, ein Rucksack mit Medikamenten, ein Rucksack mit der Ausrüstung für den Rettungsmann, ein Beatmungsgerät mit zwei Sauerstoffflaschen, ein Defibrillator, das muss alles funktionieren, darf aber nicht schwer sein. Gabriel Kostner, einer unserer Piloten, der unglaublich viel Erfahrung hat, und Michele Nardin, damals der Verantwortliche Arzt des Aiut Alpin, haben gut überlegt, wie unser Hubschrauber ausgerüstet sein muss.

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Jeden Abend wird der Helikopter in der Basis in Pontives kontrolliert. Die Innenausstattung ist maßgeschneidert.

Was muss im Hubschrauber unbedingt mit?

Das heißt, ihr habt bei der Innenausstattung viel weggelassen...
Wir haben viel weggelassen, aber doch alles mit, was notwendig ist. So ist der Boden bei diesem Hubschrauber viel leichter als in anderen Hubschraubern, wo am Boden Gegenstände befestigt werden. Aber eine Sauerstoffflasche z.B. muss man befestigen. Das ist ein gefährliches Gerät, wenn die explodiert, fliegt alles in die Luft. Man versucht, alles so sicher wie möglich zu machen. Ein Restrisiko bleibt natürlich. Das ist beim Fliegen so.

Die Ausstattung ist auf Maß gemacht. Aber kann der Hubschrauber auch mehr als andere Helikopter?
Er hat eine 90-Meter-Winde, das heißt, man kann ein langes Stahlseil am Hubschrauber einhängen und je nach Bedarf bis zu 90 Meter nach unten lassen und wieder hinaufziehen. Der Windenmann hängt den Bergretter und den Arzt am Seil ein und lässt sie zum Verletzten hinabgleiten. Gemeinsam mit dem Rettungsmann berechnet er die Seillänge so genau, dass der Pilot ganz nahe an den Verletzten heranfliegen kann.

Ist es ein Unterschied, ob jemand in den Dolomiten gerettet werden muss oder auf einem Berg in Bayern?
Ja, die Dolomiten sind viel steiler als alle anderen Berge. Da gibt es 600 Meter hohe senkrechte Wände. Oft reicht die Seilwinde da nicht mehr. Deshalb haben wir unten am Hubschrauber zwei Lasthaken, dort hängt man ein so genanntes Fixtau ein, also ein immer gleich langes Seil. Das kann 20 Meter lang sein oder auch 120 Meter. Aber die Seillänge wird vorher entschieden. In Österreich zum Beispiel fliegen die Retter nur mit Fixtau. Das ist viel günstiger, hat aber viele Nachteile. 

Voll im Einsatz

Einsätze insgesamt

707

Geborgene Personen

735

Davon unverletzt

54

Davon tot

23

Hilfe Wintersportler

31%

Hilfe Wanderer

14%

Hilfe Kletterer

3%

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Gemeinsam mit dem Windenmann berechnet der Bergretter die Seillänge so genau, dass der Pilot ganz nahe an den Verletzten heranfliegen kann.

Seil ist nicht gleich Seil.

Wäre das nicht besser, wenn das Seil länger ist?
Die Länge ist nicht immer von Vorteil, man sieht ja schlechter. Der Pilot braucht einen Anhaltspunkt. Er kann keine Handbremse ziehen. Er schwebt in der Luft, so ruhig wie möglich. Aber wenn er keinen Anhaltspunkt hat, zum Beispiel den Felsen, merkt er nicht, ob er langsam nach oben oder nach unten geht. Oder vor und zurück. Wenn er dagegen nahe am Felsen fliegen kann, hat er einen guten Anhaltspunkt, dann kann er schön ruhig bleiben. Und wenn der Rettungsmann sagt, zieh mich zwei Meter hinauf, macht der Windenmann das einfach. Umgekehrt kann der Pilot sagen, warte, ich fliege höher, da wird der Fels flacher, das ist eine günstigere Position. Bei der Seilwinde kann man die Seillänge einstellen. Pilot und Windenmann arbeiten da eng zusammen.

Kommen wir auf die Ausrüstung zurück. Du hast gesagt, mitgenommen wird, was gebraucht wird… Was wird genau gebraucht?
Was genau gebraucht wird, weiß man nie. Aber was man eventuell haben muss, wissen wir. Und das haben wir halt mit. Den Klettergurt hat man an. Aber im Rucksack muss sein: ein Seil, ein paar Haken und Schlingen, Karabiner, eine Steigklemme, ein Stück Reepschnur, wenn man sich irgendwo hinpendeln muss. Wenn der Pilot mich irgendwo am Berg hinauslässt, muss ich autonom sein. Sonst werde ich ja auch noch zum Problem...

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"Was genau gebraucht wird, weiß man nie. Aber was man eventuell haben muss, wissen wir. Und das haben wir mit."

Der Mythos der Catores

Heißt das, Bergretter müssen kreativ sein?
Auf jeden Fall. Es gibt keine Regel. Wichtig ist, dass ich weiß, was ich tue, und dass ich den Verletzten so sichere, dass er geborgen und weggeflogen werden kann. Manchmal geraten Berggeher in den Nebel und kommen nicht weiter, dann muss ich die hinunterbegleiten. Einmal hat sich beim Abstieg das Seil verknotet. Was willst du tun? Da musst du die Bergrettung rufen. Die brauchen dann genauso Hilfe wie einer, der sich verletzt hat. Nicht?

Voraussetzung ist, dass Bergretter ausgezeichnete Kletterer ist. Aber reicht das?
Natürlich braucht einer, der zur Bergrettung will, gewisse Voraussetzungen: Er muss gut klettern, er muss alle Kurse besucht haben, er ist geprüft worden. Wichtig ist, dass er Übung hat. Wenn einer Bergführer ist und täglich am Seil hängt oder privat immer am Berg ist, dann hat er eine gute Handhabung am Seil. Der weiß sich immer zu helfen. Daneben gibt es immer wieder Übungen, in denen wir das Zusammenspiel trainieren. Da sind dann alle dabei, Piloten, Bergretter, Windenmänner und Ärzte.

In Gröden gibt es die Catores. Du bist einer von ihnen. Die Catores gelten in Südtirol als die besten Kletterer…
…schon? Ist das so?

Ja, das sagt man. Die Catores sind alle bei der Bergrettung, richtig? Ist das ein Muss?
Ja, die sind alle dabei. Die Catores ist ein Leistungsabzeichen innerhalb der Bergrettung. Das heißt, du schreibst dich freiwillig in die Bergrettung ein, und wenn du viele schwierige Touren absolviert hast, kriegst du diese Auszeichnung. Dann gehörst du zu den Catores.

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Die Bergretter des Aiut Alpin müssen kreativ sein. Das können sie, weil sie ausgezeichnete Bergsteiger sind.

Vom Morgengrauen bis in die Nacht sind die Retter in Bereitschaft

Sprechen wir von der Rettungsmannschaft. Wie seid ihr organisiert?
Die Basis hier in Pontives ist immer besetzt. Von 8 bis 20 Uhr sind je ein Arzt, Pilot, Bergretter und Windenmann hier vor Ort. Auch wenn an einem Tag nichts passiert. Wir haben drei Piloten, die sich im Dienst abwechseln. Die Ärzte arbeiten jeweils von Sonntag bis Samstag. Und alle ein bis zwei Tage tauschen sich unsere vier Windenmänner ab. Der Rettungsmann wechselt meist jeden Tag.

Das heißt, man muss sich frei nehmen, um hier zu arbeiten...
Ja, es ist nicht wie bei der Freiwilligen Feuerwehr, wo ich zu einem Einsatz gerufen werde. Bei uns im Aiut Alpin gibt es kein Pickup System. Das ist eine bewusste Entscheidung, dafür werden Windenmann, Piloten und Ärzte auch entschädigt. Im restlichen Südtirol haben die Bergretter Bereitschaftsdienst und werden zum Einsatz vom Hubschrauber abgeholt.

8 bis 20 Uhr. Das klingt fast nach Bürozeiten. Was ist, wenn jemand vorher oder nachher Hilfe braucht?
Es gibt ja drei Rettungshubschrauber im Land. Wir sind für das Dolomitengebiet zuständig. Ein anderer Hubschrauber deckt von dem Moment an, wo es hell wird, zwölf Stunden ab. Und der dritte fängt später an und macht zwölf Stunden, bis es dunkel wird. Von 5 bis 21.30 Uhr ist so alles abgedeckt. Worauf wir besonders stolz sind: Wir haben es geschafft, dass bei Bedarf jener Hubschrauber fliegt, der am wenigsten weit vom Verletzten entfernt ist. Unabhängig von der Gebietsaufteilung.

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Die Piloten sind jeden Tag im Einsatz. Wenn sie nicht am Berg fliegen, transportieren sie Güter und Personen.

Die Piloten kennen jede Ecke in den Dolomiten

Es gibt immer wieder Fälle, in denen Bergretter sich in extreme Gefahr begeben. Was treibt dich, dein Leben zu riskieren für jemanden, der in Not ist?
Ich stelle mir immer vor, ich bin da oben, dann bin ich froh, wenn mich jemand holt. Sonst verrecke ich oben. Wenn ich als Bergsteiger nicht hinaufsteige und jemanden hole, der Hilfe braucht, wer dann? Ich meine, ich weiß, was ich tue. Wir gehen nicht einfach und riskieren unser Leben. Natürlich kann etwas passieren, aber wir versuchen eben, so sicher als möglich zu arbeiten.

„Wir wissen, dass der Aiut Alpin für viele ein Vorbild ist. Das mag daran liegen, dass bei uns Bergsteiger am Werk sind. Unsere Windenmänner sind allesamt Bergführer. Die Ärzte sind Anästhesisten und Kletterer. Unsere Piloten klettern zwar nicht, kennen aber jedes Eck in den Dolomiten.“ Adam Holzknecht, Präsident der Flugrettung Aiut Alpin

Das richtige Signal

● 118 lautet die zentrale Notrufnummer in Südtirol. Rufen Sie an! ● Was ist wo passiert? Sagen Sie, wo Sie sind, so genau als möglich. Teilen Sie nach Möglichkeit auch mit, was der Verletzte hat. ● Wie finden wir Sie? Wenn der Hubschrauber kommt, deuten Sie bitte, wie es das alpine Notsignal vorsieht: Machen Sie mit erhobenen Armen das Yes-Zeichen oder schwenken Sie eine Jacke. Im Wald, wo man schwer zu finden ist, legen Sie etwas aus, was gut sichtbar ist. Andernfalls ist es für die Retter oft schwierig, die verletzte Person überhaupt zu finden. Nehmen wir einen vielbegangenen Wanderweg. Da sind überall Menschen, und wenn wir hinkommen, winken die Leute, das machen sie so, wenn ein Hubschrauber kommt. Wie sollen wir da wissen, wo der Verletzte ist? Oft muss man raten und verliert dadurch wertvolle Zeit. ● Was muss mit? Wenn der Hubschrauber kommt, packen Sie alles, was mitfliegen muss, zusammen. Es gilt keine Zeit zu verlieren. ● Wie gut ist der Verletzte erstversorgt? Gut ist natürlich, wenn man weiß, wie man den Verletzten lagern muss, bis die Rettung naht. Haben Sie schon überlegt, einen Erste-Hilfe-Kurs zu besuchen?

Das sichere Händchen der Piloten

Ihr habt einen Hubschrauber und drei Piloten. Fliegen die ausschließlich für euch?
Nein, die fliegen auch privat, für die Firma nebenan, die sich auf Rundflüge und Transportflüge spezialisiert hat. Wir teilen uns die Piloten. Das ist ein Vorteil für uns. So fliegen die Piloten regelmäßig, jeden Tag fünf Stunden. Diese Übung hätten sie bei uns nie. Heute zum Beispiel ist nichts passiert. Und wenn ein Pilot nur auf die Einsätze wartet, dann ist er außer Übung, wenn ein schwieriger Einsatz zu fliegen ist.

Wie schnell ist euer Hubschrauber am Einsatzort?
Wir haben ausgerechnet, unsere Einsätze dauern im Schnitt 33 Flugminuten. Das heißt, der Hubschrauber startet hier in der Zentrale in Pontives bei St. Ulrich, fliegt zum Einsatzort, von dort ins Krankenhaus und zurück zur Basis. In 33 Flugminuten. Wenn er steht, zählen die Minuten nicht.

Du bist seit Mai 2014 Präsident des Aiut Alpin und als Tüftler bekannt. Wie kann die Flugrettung weiter verbessert werden?
Der erste Gedanke muss dem Verletzten gelten. Deswegen müssen wir auch interregional besser zusammenarbeiten, so dass immer jener Hubschrauber ausrückt, der am nächsten am Unglücksort dran ist, unabhängig davon, ob der Berg in Südtirol oder im Trentino oder in der Schweiz liegt. Im Herbst bekommen wir einen neuen Hubschrauber, der mehr Kraft hat. Dadurch muss der Pilot nicht immer ans Limit gehen, das bedeutet mehr Sicherheit. Wir haben auch ein neues Atemgerät eingebaut, das mit einer kleinen Turbine den Sauerstoff selber aus der Luft holt. Der Defibrillator ist leichter geworden, ebenso die Befestigungen am Boden. Wir haben einfach beobachtet, was man besser machen könnte, und versucht das umzusetzen. Jetzt freuen wir uns darauf.

Interview: Gabriele Crepaz
Fotos: Aiut Alpin Dolomites

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