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Januar 2015

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Diese beiden haben die Nase vorn

Der Südtiroler Bergführer Gottlieb Hellweger und sein Hund rücken aus, wenn andere in Not sind. Was bringt sie auf die heiße Spur?

Ohne seinen Hund Benno rennt Gottlieb Hellweger nicht aus dem Haus, wenn sein Bereitschaftspiepser losgeht. Er ist einer von 40 Hundeführern des Südtiroler Bergrettungsdienstes. Hund und Herrchen wissen: Wenn der Notruf kommt, zählt jede Sekunde. Sie sind ein eingespieltes Team. Trainieren hart und hochkonzentriert. Gottlieb hilft Menschen in Not ehrenamtlich, sein Hund Benno fast – ein Würstchen darf schon sein. Wie sich der Bergführer und sein Hund im Einsatz verständigen? Wir haben gestaunt…

Gottlieb Hellwegers Liebe zu den Hunden war nicht von Anfang an da. Als kleiner Bub schlug ihm ein Schäferhund einmal seine Pfote ins Gesicht, und von da an hatte er ziemlichen Respekt vor den Vierbeinern. Mit 21 Jahren schenkte ihm seine Frau einen kleinen Mischling. Das änderte alles. „Seither war ich nie mehr ohne“, sagt der 43-Jährige. Nach dem Mischling kam ein Labrador ins Haus und vor sieben Jahren schließlich Benno, ein Labradoodle.

Hier wird einem nichts geschenkt

● Jeder Hundeführer, der mit seinem Hund auf der Suche nach Vermissten eingesetzt wird, muss die Ausbildung zum Bergretter durchlaufen und einer Rettungsstelle angehören.  ● Die Ausbildung ist sehr anspruchsvoll und dauert zwei Jahre. Danach kann der Anwärter zur Aufnahmeprüfung antreten.  ● Nach erfolgreicher Prüfung beginnt die Ausbildung mit dem Hund; auch hier sind mehrere Prüfungen zu absolvieren.  ● Pflicht ist die Teilnahme für Herrchen/Frauchen und Hund an den Sommer- und Winterkursen. Dabei werden die Hunde mit drei Stufen bewertet: A, B oder C ● Ab Erreichen der Stufe B ist der Hund für den Einsatz gerüstet. ● Wöchentliche Trainings halten die Hunde und Hundeführer fit. Bei den jährlichen Landeskursen werden die Hunde laufend geprüft und kontrolliert. 

#1

Harte Ausbildung: Benno ist beim hohen C angelangt

Die Beziehung zwischen Hellweger und seinem Hund übersteigt das natürliche Zusammenspiel zwischen Herrchen und Tier bei weitem. Denn der gelernte Restaurator aus Rasen ist einer von etwa 40 Hundeführern des Südtiroler Bergrettungsdienstes. Und sein dunkler, verspielter Labradoodle, der gerade unermüdlich draußen im Garten herumfegt, einer der Hunde, die zur Suche nach Vermissten eingesetzt werden.

Doch wie wurde aus Benno eigentlich ein Spürhund?

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Tierisch gut eingespielt: Bergretter Gottlieb Hellweger und sein Hund Benno.

Zwei Jahre dauert die Ausbildung zum Bergretter. Sie ist schwierig, mit vielen Prüfungen und Kursen verbunden. Der Aufwand, nicht nur in zeitlicher Hinsicht, ist enorm. Den Hund auf seine anspruchsvolle Aufgabe vorzubereiten, ist dabei nicht minder herausfordernd. Mittlerweile haben die beiden schon viele Einsätze hinter sich gebracht. Benno ist als C-Hund klassifiziert, es ist die höchste Stufe. Sie wird dann erreicht, wenn Herrchen und Hund auch im Einsatz ein eingespieltes Team sind. Mit dem Buchstaben A werden Hunde gekennzeichnet, die noch in der Ausbildung sind; B bedeutet, der Hund ist einsatzfähig, aber noch nicht so sicher. „Die Klassifizierungen werden bei den großen Übungen auf Landesebene stets überprüft und können auch wieder herab- oder hinaufgestuft werden“, sagt Hellweger. Niemand soll sich zu sicher fühlen.

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Benno ist ein ausgebildeter Spürhund. Er geht menschlichen Spuren nach.

#2

Spurweite: Was unterscheidet den Fährten- vom Stöberhund?

Innerhalb des Bergrettungsdienstes gibt es Fährten- und Stöberhunde. Erstere sind geschult, dem Geruch einer bestimmten Person nachzuspüren. Stöberhunde, wie Benno einer ist, gehen menschlichen Spuren nach, etwa nach einem Lawinenabgang. „Die Kunst ist, bei einer Suchaktion für den Hund mitzudenken“, sagt Hellweger, „es ist im Grunde alles eine Überlistung“. Jeder Hund hat einen Spiel- oder einen Beutetrieb. Nach monatelangem Training hat Benno verstanden, dass er etwas Besonderes zum Fressen bekommt, wenn er der Geruchspur nachgeht. Während er sich über ein Würstchen freut, ist für andere Hunde ein Spielzeug, etwa ein kleiner Ball, ein Antrieb.

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Was willst du mir sagen? Gottlieb Hellweger muss auf die kleinsten Anzeichen achten und in Bennos Mimik lesen können.

#3

Im Einsatz: Wie reden Gottlieb und Benno miteinander?

Verändert sich die Beziehung zwischen den beiden, wenn ein Einsatz ansteht? „Ja, durchaus. Im normalen Leben ist Benno ein treuer Begleiter wie jeder andere Hund auch. Er kuschelt gerne, er spielt, er tollt herum und bringt die ganze Familie zum Lachen. Wenn es ernst wird, sind wir beide hochkonzentriert. Dass es gleich losgeht, merkt er schon am Mäntelchen, das ich ihm überziehe.“ Während einer Suchaktion muss Hellweger auf die kleinsten Anzeichen achten und den Gesichtsausdruck von Benno lesen. Sieht der Hund ihn fragend an? Wedelt er mit dem Schwanz, weil er meint, etwas zu finden? Ist er bereits müde oder niedergeschlagen und braucht eine Pause? Und was ist mit dem Wind? Führt er den Hund richtig? Nach einem Einsatz brauchen beide erstmal eine Pause.

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Freiwillig im Einsatz: Der Restaurator Gottlieb Hellweger ist einer von 40 Hundeführern des Südtiroler Bergrettungsdienstes.

Im Sommer ist Hellweger unter der Woche die meiste Zeit beruflich unterwegs und nicht zu Hause. „Am Wochenende dann schalte ich als erstes gleich den Piepser ein.“ Wenn ein Notruf eingeht, muss alles ganz schnell gehen. Dann schlüpft Gottlieb in die blau-rote Jacke, schnappt sich seinen Rucksack und läuft mit Benno los. Wenn der erste Schnee fällt, werden die Einsätze wieder mehr. In manchen Wintern kommt es besonders häufig vor, dass Tourenskigeher von Lawinen verschüttet werden. Dann werden Gottlieb und Benno meistens mit dem Hubschrauber zur Einsatzstelle geflogen. Denn jede Sekunde zählt. Die Arbeit im Lawinenkegel ist immer belastend. „Natürlich hoffen wir, dass die Verschütteten lebend geborgen werden“, sagt Hellweger, „und wenn der eigenen Hund die Person finden würde, wäre das ein Traum.“ Bisher hat er sich für ihn noch nicht erfüllt. Aber für andere Hundeführer, die er kennt.

Was ein Spürhund sein will...

Am besten, der Hund wird bereits im Welpenalter an die Aufgabe herangeführt. Je älter die Hunde sind, umso schwerer lernen sie Neues. Außerdem ist die Größe des Hundes entscheidend: Er sollte weder zu klein noch zu groß sein.

 

#4

Der Erfolg: Ein Dankeschön ist genug

Der Grund, warum er das macht, ehrenamtlich und in seiner Freizeit, ist so bescheiden wie einfach. „Ich möchte Menschen, die in Not geraten sind, helfen.“ Geld bekommt er dafür nicht. „Ein Dankeschön reicht mir“, sagt er.

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Zwei, die sich aufeinander verlassen: Gottlieb will nie mehr ohne Hund sein.

Gibt es einen Einsatz, an den er gerne zurückdenkt? „Vor ein paar Jahren war eine ältere Touristin abgängig. Sie hatte sich verlaufen und aus dem Wald nicht mehr zurückgefunden. Ein Hund hat ihre Fährte aufgenommen. Wir haben sie gefunden, rechtzeitig, denn die Nacht im Freien hätte die Dame nicht überlebt. Der Gastwirt, bei dem sie untergebracht war, hat sich so darüber gefreut, dass er spontan eine Feier für uns organisiert hat. Das hat uns allen gut getan."

#5

Das beste Alter für Spürhunde: eine magische Zahl

Benno, die quirlige Mischung aus Labrador und Doodle, ist mit seinen sieben Jahren jetzt im besten Alter für Spürhunde. Und falls er, der gute Freund, einmal nicht mehr kann? Hellweger überlegt kurz und zeigt hinaus in den Garten. Draußen tollt Ilse umher, Bennos Tochter. Sie schnüffelt schon den ganzen Tag am Boden herum. Der Apfel fällt eben nicht weit vom Stamm.

Text: Verena Duregger
Fotos: Ivo Corrà
Video: Martin Hanni