September 2016

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Auf den Spuren des Gewürztraminers

Immer der Weinstraße entlang: Blogger Oliver Wagner macht sich auf die Suche nach dem Ursprung des Weines und fährt nach Tramin.

Ich biege von der Staatsstraße 16, die sich in Südtirol parallel zur Etsch durch die Täler schlängelt, rechts ab und fahre die kurvige Straße in das Örtchen Tramin hinauf. Hier soll der Gewürztraminer herkommen. Dessen Herkunft ist nicht ganz unumstritten, allerdings fühle ich mich näher am historischen sowie namensgebenden Ursprung, als an jedem anderen Ort der Welt.

Meine Reise gilt heute dem Weingut J. Hofstätter. Es zählt zu den größten Südtirols. Mit dem Kolbenhof samt Rechtenthaler Schlossleiten in Söll bei Tramin und dem Barthenau in Mazon besitzt es zudem die größte Fläche Südtirols für den Anbau von Gewürztraminer. 

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discover Der Winzer

Martin Foradori ist sich nicht so sicher, ob tatsächlich hier in diesem beschaulichen Dorf die etymologischen Wurzeln des Gewürztraminers liegen.

#1

Tramin, Terminum oder doch Tremine?

Südtirol lieferte, historisch betrachtet, schon fast immer rote Weine in Richtung Norden. Primär natürlich in Form des Vernatsch. An dieser Kategorie mangelte es weiter nördlich stets, vor allem im Hinblick auf die hohe Qualität, die auch früher schon die Weine aus dem Süden Tirols auszeichnete.

Heute steht Südtirol für eine deutlich gewachsene Vielfalt. Dazu trägt vor allem das breite Spektrum der Anbaumöglichkeiten bei, das alleine in Bezug auf die Höhenlagen von 200 bis 1.000 Meter reicht. Es gibt heutzutage keine echte Hauptrebsorte. Die häufigsten Vertreter sind sicherlich Vernatsch und Pinot Grigio, dicht gefolgt vom Gewürztraminer.

Oswald von Wolkenstein, so erläutert mir Martin Foradori, besang bereits im Konzil von Konstanz im 14. Jahrhundert den so legendären Wein aus Tramin. Vielleicht spielt aber auch die Bezeichnung für die Grenze, die der Wein auf seinem Weg gen Norden passierte, also Terminum eine Rolle bei der Namensgebung. Andere Überlieferungen sehen im altdeutschen Begriff für Biene, der Tremine, eine mögliche Herkunft. Immerhin locken die süßen Trauben diese Insekten gerne und zahlreich an. In Tramin möchte ich darüber aber gar nicht so viel nachdenken, denn ganz sicher wurde hier ein wichtiger Schritt für diesen Wein gegangen. 

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discover Tramin

Im Spätsommer und im Herbst sind Wanderungen entlang der Weinstraße in Südtirols Süden besonders lohnenswert, so auch oberhalb von Tramin mit Blick auf die Weinberge des historischen Weindorfes.

#2

Südtirol sieht rot

Der moderne Ausbau des Gewürztraminers und der Verzicht auf zu viel Restsüße hat hier seinen Ursprung, sprich der trockene und elegante Gewürztraminer hat hier seine Wurzeln, versicherte mir der Winzer. Heute ist der Anteil an den typischen roten Weinen Südtirols rückläufig. Von ehemals deutlich über 80% hat sich der Anteil auf rund die Hälfte reduziert.

Die aktuelle Sortenvielfalt an angebauten Reben ist auch Teil der Geographie Südtirols und dem immer größere werdendem Streben nach dem jeweils besten Produkt für die einzelnen Parzellen. Die unterschiedlichen Höhen sowie die Lagen an den östlichen und westlichen Hängen bedingen andere Trauben, wenn man exzellente Weine produzieren will.

Weingut J. Hofstätter

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Weingut J. Hofstätter

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Weingut J. Hofstätter Rathausplatz 7, 39040 Tramin (BZ) +39 0471 860161

Karte

#3

Nur der Namen reicht nicht aus

Die Individualität gilt es künftig noch viel mehr und besser herauszuarbeiten. Zumindest, wenn man den Wünschen von Martin Foradori folgt. Der Konsument, so Foradori, ist mündiger und belesener und möchte wissen: Wo genau kommt der Wein in meinem Glas her? Was ist seine Geschichte? Im Burgund und in Deutschland sind Klassifizierungen seit jeher üblich, in Südtirol kommt man für 5.400 Hektar derzeit mit acht DOC-Anbaugebieten und Ursprungsbezeichnungen aus. Lagenbezeichnungen finden sich nur vereinzelt, viele Winzer sträuben sich sogar gegen eine allgemein Einführung und eine engmaschige Lagenbezeichnung und fühlen sich mit den aktuellen, groben Kategorien wohler. Gerade die großen Produzenten fürchten um potenzielle Lieferengpässe, wenn die Lage zu detailliert, die erziel- und vermarktbare Menge zu gering wird.

Je mehr Winzer an diese einzelnen und konkreten Lagen glauben und diese mit den idealen Rebsorten bestücken, dann, so glaubt Foradori, wird Qualität besser beschreib- und identifizierbar. Und somit auch transparenter für den Verbraucher.

#4

Ein „Vigna“-Wein

Hofstätter setzt seit 1987 auf die „Vigna“-Kennzeichnung der eigenen Weine – und das schon lange bevor dieses italienische Gesetz für Südtirol ratifiziert wurde, beginnend mit dem Blauburgunder Barthenau Vigna S. Urbano und dem Weißburgunder Barthenau Vigna S. Michele. Die bekannten Gewürztraminer des Weingutes stammen aus den Weingärten auf der westlichen Talseite oberhalb von Tramin in der Lage Söll, dort aus den Parzellen „Kolbenhof“ und der „Rechtenthaler Schlossleiten“. Die Parzelle „Steinraffler“ bietet dem Lagrein ein ideales Habitat. Die Klassifikation „Vigna“ wird künftig auch bei diesen drei Lagenweinen auf dem Etikett stehen.

Ich beende meinen Besuch im Weingut in der historischen Enoteca. Ein wunderschönes Gewölbe in dem die Weine des Hauses probiert und natürlich auch käuflich erworben werden können. Besucher mit etwas mehr Zeit empfiehlt sich noch ein Abstecher in den Gewürztraminer Schaugarten. Am besten natürlich unter der Führung des Hausherren Martin Foradori.

Text und Fotos: Oliver Wagner

Das war's!

Fünf Tage lang ist Oliver Wagner durch Südtirols Süden gereist, hat spannende Menschen kennengelernt, deren Geschichten erfahren – und manch Geheimnis gelüftet. Hotelbesitzer Klaus Maran war Surfprofi, Koch Herbert Hintner zauberte aus einem einfachen Rezept ein Sternemenü und Robert Gurndin verriet, wieso kein Brot wie das andere ist. In der letzten Geschichte des Fünfteilers traf er auf einen großen Kenner des Gewürztraminers, Winzer Martin Foradori.

Tschüss Oliver und auf ein baldiges Wiedersehen… an der Weinstraße. 

oliver wagner

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Oliver Wagner

Der Blogger

Der Hamburger Oliver Wagner liebt gutes Essen, gute Produkte und die Regionen, in denen all dies entsteht und zelebriert wird. Sein kulinarisches Magazin Kochfreunde.com zählt zu den am meisten gelesenen Foodblogs in Deutschland.