August 2016

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Etappe 8

Grube – Sterzing: Der bayerische Kronprinz sympathisiert mit Tiroler Dissidenten

Nach einem rund vierstündigen Spaziergang – man muss es fast so benennen – erreichen wir Sterzing; ähnlich wie Rattenberg, ein Ort mit interessanter Geschichte. Vor den Toren der Stadt hatten nämlich einst im April 1809 die Tiroler Freiheitskämpfer um Andreas Hofer ihre erste Schlacht gegen die Soldaten der bayerischen Verwaltungsmacht gewonnen. Das Gefecht markiert mehr oder weniger den Anfang des Tiroler Volksaufstandes, bei dem im Jahr 1809 für einige Monate die Vertreibung der bayerischen Besatzer gelang, ehe die Revolution Ende des Jahres von alliierten französischen und bayerischen Truppen blutig niedergeschlagen wurde. Andreas Hofer geriet dabei in Gefangenschaft und wurde Anfang 1810 in Vollstreckung eines Todesurteils erschossen.

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Die 7.000 Seelen-Stadt Sterzing kurz vor der Brennergrenze.

Hofer wurde schon zu Lebzeiten von vielen Tirolern verehrt – und interessanterweise auch von einem nicht ganz unbedeutenden Mitglied des bayerischen Königshauses: von Kronprinz Ludwig, dem späteren König von Bayern. Ludwig war von Anfang an und zeit seines Lebens gegen die Bündnispolitik mit Napoleons Frankreich gewesen, die sein Vater Max I. Joseph und dessen Minister Montgelas seit der Jahrhundertwende betrieben hatten, und die im Jahr 1805 nach dem Frieden von Pressburg schließlich zur Annektierung Tirols in das bayerische Hoheitsgebiet geführt hatte. Der Kronprinz empfand von Beginn der bayerischen Herrschaft an Sympathie für die Tiroler Bevölkerung, die vor allem unter den religions- und kirchenpolitischen Verordnungen der fremden Verwaltung zu leiden hatte.

Selbst während des Tiroler Aufstandes änderte sich an dieser Haltung nur wenig – auch wenn Ludwig als Mitglied und Befehlshaber der bayerischen Armee gezwungenermaßen direkt an der Bekämpfung des Aufstandes beteiligt war. Vermutlich von Schuldgefühlen geplagt, soll er nach Hofers Hinrichtung einer der ersten gewesen sein, der dessen Witwe Anna auf ihrem Sandhof im Passeiertal kondolierte. Eine kuriose Anekdote aus der bayerisch-(süd)tirolerischen Geschichte.

Text: Tim Frohwein