Watten

Das Lieblingskartenspiel der Südtiroler ist nichts für Feiglinge.

Beim Watten geht es hoch her. Die Karten werden auf den Tisch geknallt, dass es beim Zuschauen wehtut, es wird gelacht und geflucht, Augen blinzeln, Finger zucken. Um zu gewinnen braucht es Risikofreude und ein gutes Gedächtnis. Für die in Südtirol beliebteste Variante des Wattens, das Blindwatten, sind eine genaue Beobachtungs- und eine schnelle Kombinationsgabe das Um und Auf. Beim Blindwatten kommt es aufs Bieten und Bluffen an: Man kann mit schlechten Karten gewinnen und auch mit einem aufgelegten Blatt verlieren, wenn das Zusammenspiel des Teams nicht funktioniert. Watten ist daher nicht nur ein geselliger Zeitvertreib, bei dem das eine oder andere Glas geleert wird und der Alltagsstress in den Hintergrund rückt. Gehirnjogging und spielerisches Kräftemesssen sind erfreuliche Nebeneffekte. Es ist umstritten, ob das Kartenspiel französische oder italienische Wurzeln hat. Auf alle Fälle gehört das Watten ebenso wie das verwandte aber nicht so weit verbreitete Perlaggen zum Südtiroler Alltag und zur Gasthauskultur. Und wie jedes Gasthaus seine Spezialität und jedes Tal seinen Dialekt, so hat beinahe jeder Ort seine eigenen Wattregeln. In Tramin und Kurtatsch beispielsweise spielt man gegen den Uhrzeigersinn.

​In Südtirol wird mit dem Salzburger Blatt gespielt, die Farben heißen Eichel, Blatt, Herz und Schell. Die Fünfer und Sechser außer dem Schellsechser, genannt Weli, werden aus dem Spiel genommen. Üblicherweise wird zu viert gewattet, wobei sich die zwei Spieler eines Teams jeweils gegenüber sitzen. Eine besondere Bedeutung kommt dem Deuten zu. Offiziell ist es beim Blindwatten ebenso wie das Besprechen der Spieltaktik verboten, und dennoch gibt jeder Spieler blitzschnelle Zeichen, um dem Partner anzuzeigen, welche Karten er hat.

Das Watten erfreut sich nicht nur in Südtirol großer Beliebtheit, sondern auch in Bayern, in Österreich und in der Schweiz. Regeln und Bezeichnungen unterscheiden sich dabei von Land zu Land und von Region zu Region. In Bayern wird beispielsweise meist mit dem Deutschen Blatt, 32 statt 33 Karten und den drei Kritischen als stichwertig höchsten Karten gespielt.