Auf den Spuren des Ersten Weltkrieges in Südtirol
Von Südtirols Pilgerstätten, Freilichtmuseen und Wanderrouten
Der 26. Juni 2009 wird in die Geschichte Südtirols eingehen. An diesem Tag erhob das Weltnaturerbe-Komitee der UNESCO die Dolomiten in den Rang eines Weltnaturerbes. Begründung: die „einzigartige monumentale Schönheit“ dieser Landschaft. Dabei verdanken die Dolomiten ihre Auszeichnung nicht nur dem Naturschauspiel „Enrosadire“, der spektakulären Rotfärbung der Felswände bei Sonnenuntergang, sondern auch ihrer Entstehungsgeschichte: Vor 250 Millionen Jahren wuchsen die Dolomiten als Algen- und Korallenriffen - von Organismen und Sedimenten gebildet - im warmen Tethysmeer heran. Als dieses absank, stiegen sie als „bleiche Berge“ auf und prägten damit das Profil des Gebirges.
Aber eine Bergfahrt in die Dolomiten ist nicht nur ein faszinierender Ausflug in die Erdgeschichte. Durch dieses Gebirge verlaufen seit dem Mittelalter politische Grenzen. Von 1915 bis 1917 tobten in den Dolomiten erbitterte Kämpfe zwischen italienischen und österreichischen Truppen. Manchmal trennten kaum zehn Meter die feindlichen Stellungen voneinander. Aber auch die Natur war Feind: Allein im Kriegswinter 1916/1917 kamen 10.000 ums Leben, Kaiserjäger, Alpini und Tiroler Standschützen – allesamt Lawinenopfer.
Spuren der Geschichte
Museumsfestung Tre Sassi
Die Festung Tre Sassi am Valparola Pass, ist eines der interessantesten Zeugnisse für die Fronten der Dolomiten im Ersten Weltkrieg. Sie wurde 1897 zur Verteidigung der südlichen Grenzen des österreichisch- ungarischen Reiches erbaut. 1910 modernisiert, wurde sie nach wenigen Kriegswochen von Bomben aus dem benachbarten 5 Torri getroffen, welche die Abwehrmauern durchbrachen und schließlich evakuiert. Heute beherbergt die restaurierte Sperre das Museum über den Großen Krieg. Neben der Ausrüstung und den Waffen der Soldaten zeigt es zudem viele tägliche Gebrauchsgegenstände. Besichtigung: kostenpflichtig. Ein Tonbandgerät mit deutschen Erläuterungen kann ausgeliehen werden. Öffnungszeiten: 10.00 - 13.00, 14.00 -17.00 Uhr. Im Winter nur auf Anfrage, für Gruppen mit mindestens 15 Personen. Tel.: (+39) 0436 861112 mobil: 347 4970781.
Freilichtmuseum im Felsentunnel 5 Torri
Nahe des Valparolapasses befindet sich der Falzaregopass mit dem massiven Felsturm Lagazuoi. Aufgrund der außergewöhnlich guten Sicht auf die nahen Berggruppen wurde hier der Kommandositz der italienischen Artillerie eingerichtet. Um ihre Stellung zu verteidigen, verteilten die Österreicher um die Festung der Gegner eine Reihe von Kanonen, sowie einen Felstunnel im Inneren, den „Goinger". Der Tunnel erlaubte die Versorgung der österreichischen Artillerie - auch unter Kreuzfeuer. 1996 wurden die Felstunnel teilweise wiederhergestellt. Heute befindet sich dort ein Freilichtmuseum, das von der Bergstation der Seilbahn in zehn Minuten erreichbar ist. Route: Leichte Wege von zwei bis drei Stunden, die sich entlang der perfekt wiederhergestellten Stellungen schlängeln. Höhenunterschied: 370 m.
Geschichtsträchtiger Wanderweg
Der Friedensweg (Sentiero della Pace) wurde Mitte des 20. Jahrhunderts auf Basis militärisch benützter Steige des Alpenkriegs und der alpinen Südfront des Ersten Weltkriegs angelegt und zählt zu den bedeutendsten historischen Weitwanderwegen im nördlichen Italien. Er verläuft von den Sextener Dolomiten bis zum 150 Kilometer Luftlinie entfernten Stilfser Joch (Passo Stelvio) an der Schweizer Grenze. Der Friedensweg senkt sich unweit von Trient in das fruchtbare Etschtal und nach Kaltern hinab.
Mit Skiern in die Vergangenheit: Gebirgsjäger Skirundtour
Achtzig Kilometer zwischen Geschichte und Natur, lange schneebedeckte Pisten und einzigartige Panoramen: die Tour durch die Welt des Großen Krieges per Skier macht es an einem Tag möglich. Der Skibus, Pisten und Anlagen bilden einen Ring, der um den gesamten Col di Lana (Mahnmal des Krieges in den Dolomiten) verläuft. Die Gebirgsjäger Skirundtour führt durch die legendäre Dolomitenwelt mit Civetta, Pelmo, Tofane, Lagazuoi, Conturines, Settsass, Sassongher, Sella e Marmolada. Diese Gipfel waren einst Schauplätze der Dolomitenfront im Ersten Weltkrieg. Österreichische Kaiserjäger und deutsche Alpenkorps lieferten hier italienischen Alpini von Mai 1915 bis November 1917 erbitterte Gefechte. Noch heute zeugen Tunnelsysteme und Geschützstellungen von den blutigen Ereignissen. Die Skirundtour kann man in St. Kassian, Corvara, Arabba und Malga Ciapela beginnen. Von Alta Badia fahren Sie über den Campolongo Pass bis Arabba. Weiter zur Porta Vescovo und Malga Ciapela/Marmolada. Wer will kann hier einen Abstecher auf den Marmoladagletscher (3.342 m) machen. Weiter geht es mit dem Skibus bis Alleghe auf die Skipisten der Civetta Skiregion. Danach weiter mit dem Skibus von Pescul bis zur Fedare Hütte. Von hier fährt man auf den Averau und nimmt die Abfahrt nach Cinque Torri. Vom Parkplatz des Cinque Torri fährt Sie ein Skibus zum Lagazuoi zurück. Die Gebirgsjäger Skirundtourist mit oder gegen den Uhrzeigersinn machbar und im Ganzen etwa 100 km lang. Die Hälfte davon legt man auf Skiern zurück, die andere Hälfte mit Aufstiegsanlagen und Skibus. Auch eine Fahrt mit dem Pferdeschlitten ist dabei.
Alpinisteig Hochpustertal
Der Alpinisteig ist eine gut erhaltene Weganlage aus dem Ersten Weltkrieg, die zeigt, wie geschickt militärische Wege angelegt wurden. Der Abschnitt zwischen Elfer- und Sentinellascharte ist sehr stark vereist; daher sind Steigeisen, Pickel und Seil erforderlich. Gehzeit: bis Elferscharte 2 ½ Std; von dort bis zur Sentinellascharte 1 ½ Std., Abstieg zur Bertihütte 1 Stunde; Markierung: rot-weiß-rot Nr. 101 und Nr. 124.
Begegnungen mit der Geschichte
Wer heute in den Sextner Dolomiten wandert, stößt auf Schritt und Tritt auf die Spuren des Krieges. Überall finden sich Reste von Holzbaracken, rostiger Stacheldraht, Konservendosen - noch vor 20 Jahren entdeckte man abseits der beliebten Wanderwege mannshohe Sprengköpfe.
Das Projekt „Spuren unserer Geschichte“ und der Verein „Bellum aquilarum“ will Überreste des Krieges, die sich in den Bergen um Sexten, in der Rotwand, dem Elfer-, Zwölfer uns Einserkofel noch zuhauf befinden, bewahren, erhalten – aber keinesfalls irgendwie restaurieren.
Fortezza – Franzensfeste: Geplant schon zur Zeit Kaiser Franz’ I., verwirklicht in den Jahren 1833 bis 1838 unter Ferdinand I., sollte sie die Nord-Süd-Verkehrsbindung militärisch sichern. Dazu kam es nie. Die Rüstung wurde nie vollendet und war auch nie Schauplatz kriegerischer Handlungen.


